Star Trek – Resistance, Teil 2: Von Liebe und Krieg

resistance-2Weiter geht’s mit der der Saga um Lairis’ Jugend beim bajoranischen Widerstand.

Inhalt:
Zum Inhalt:
Seit einem halben Jahr ist Lairis nun beim Widerstand, doch nichts läuft so, wie sie es sich in ihren romantischen Träumen ausgemalt hat. Gabor, der Mann, in den sie verliebt ist, hält sie auf Distanz und lässt sie nicht an Kampfeinsätzen teilnehmen. Ihre Mentorin Yarath behandelt sie von oben herab und ihre Freundin Nira wird plötzlich schwer krank.
Doch dann geht der Gruppe Nahrung und Wasser aus, ein Überfall auf einen car-dassianischen Frachter soll die letzte Rettung sein. Lairis sieht ihre Chance kommen und kämpft: Für den Erfolg der Mission, Niras Überleben – und Gabors Liebe.
Da offenbaren ihr die Propheten eine schreckliche Wahrheit …

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Leseprobe:

Die Sommer in Rakhanta waren mörderisch: bis zu 45°C im Schatten und eine Vielfalt an Un¬geziefer, die einen nur zur Verzweiflung treiben konnte, wenn man kein Insektenforscher war. Das Schlimmste war jedoch, dass sich die Cardis bei diesen Temperaturen am wohlsten fühlten.
Unser Marsch dauerte mehrere Tage, am Ende wateten wir durch einen stinkenden Sumpf. Ich bewegte mich wie ein Automat, setzte mechanisch einen Fuß vor den anderen, wedelte mit den Armen, um diese blutsaugenden, summenden kleinen Biester abzuwehren … aber das wa¬ren nur noch Reaktionen meines vegetativen Nervensystems. Mein Gehirn, mein Pagh hatte sich irgendwie ausgeklinkt. Wassermangel, Nahrungsmangel, Schlafmangel … wer weiß, viel¬leicht sogar Sauerstoffmangel. Es war so schwül, dass man kaum Luft bekam. Ein dreckiger warmer Regen nieselte auf uns herab. Wenn das so weiter geht, wachsen mir gleich Schwimm¬häute … dachte ich frustriert. Welch eine Ironie – denn innerlich fühlten wir uns alle völlig ausge¬dörrt. Ich hatte Angst, meine Zunge würde für immer am Gaumen kleben bleiben!
Mein Marschgepäck war fast so schwer, wie ich selbst – jedenfalls kam es mir so vor. Ich war am Ende meiner Kräfte, aber ich wollte es nicht zugeben. Ich wollte nicht die Erste sein, die … Nira kam mir zuvor. Sie jammerte nicht, sie beschwerte sich nicht – sie kippte einfach um. Ich hörte ein lautes Platschen hinter mir, wurde mit Schlammwasser bespritzt, fuhr alarmiert herum … da lag sie der Länge nach in dieser Dreckbrühe, alle Viere ausgestreckt, die blauen Augen weit aufgerissen. Sie atmete flach, ihr Blick war ausdrucklos.
„Nira, um Himmels Willen!“, rief ich entsetzt und staunte, dass meine Stimme noch funktio-nierte. Ziem¬lich dünn und kläglich, aber immerhin … Ich beugte ich über meine Kampfgefährtin, strich ihr das nasse, rotblonde Haar aus dem Gesicht und erschrak, wie heiß sie war. „Nira, bitte mach uns keinen Kummer!“
Allmählich kehrte das Leben in ihre Augen zurück und sie versuchte sogar ein kleines Lä-cheln. „Es geht schon wieder“, krächzte sie. „Alles in Ordnung.“
„Nichts ist in Ordnung“, widersprach Gabor ernst. „Du hast hohes Fieber. Wir müssen Rast machen.“
Ich blickte erstaunt auf, denn ich hatte ihn gar nicht bemerkt. Unsere Hände berührten sich zufällig und er zuckte zurück. Seine Haut war fast so heiß wie Niras, und für einen Augenblick fürchtete ich eine Virusepidemie. Doch Gabors Hitze hatte nichts mit Fieber zu tun.
Für einen Moment glaubte ich, sein Blick wandere verstohlen über meine Körper, mit wur-den die Knie weich … aber zu meiner unendlichen Enttäuschung wandte er sich ab und kon-zentrierte sich ganz auf die kranke Nira.
Meine Freundin musste einfach wieder gesund werden – so beruhigend wie Gabor auf sie einredete, so viel Zuversicht, Wärme und Gelassenheit, wie er ausstrahlte. Kein Wunder, dass die Gruppe ihn zu ihrem Anführer gewählt hatte, obwohl er erst 22 Jahre alt war.
Tren Gabor … Seit ich ihn kannte, hatte ich nur noch Augen für ihn. Oder wie es Branqo – ein großer, breiter, respektloser Kerl aus unserer Widerstandszelle – in seiner unnachahmli-chen Art ausdrücke: Seit Gabor mir über den Weg gelaufen sei, behandelte sie alle anderen Männer wie Eunuchen.
Bevor er mich für seine Widerstandszelle rekrutiert hatte, musste ich als Dabomädchen ar-beiten. Für mich waren Männer schleimige, sabbernde Kreaturen gewesen, die scheinbar wie Formwandler an den seltsamsten Stellen Arme ausfahren konnten, um eine Frau gegen ihren Willen zu begrapschen.
Doch Gabor war keine schleimige, sabbernde Kreatur – er war einfach ein Mann. Der erste, von dem ich wirklich berührt werden mochte.
Traurig war nur, dass er das offensichtlich nicht wollte.
Wir verständigten uns wortlos und hoben Nira aus dem Wasser. Ihr Kopf hing schlaff herab, die Strähnen ihrer langen nassen Haare wickelten sich wie Schlangen um meine Arme. Nira, Gabor … um beide machte ich mir wahnsinnige Sorgen.
Ich hatte mich geirrt: Man konnte sich keines¬wegs an alles gewöhnen. Ich für meinen Teil konnte mich nicht damit abfinden, ständig in Sorge um meine Freunde zu sein … oder um meine Mutter … um meine ganze Familie.
Endlich erreichten wir eine kleine Lichtung und schlugen unser Lager auf: drei Zelte, deren Planen die Farbe wechselten und sich makellos in die jeweilige Umgebung einfügten, ein Kraft¬feld, das unsere Lebenszeichen abschirmte und giftiges Getier fernhielt, unsere Vorräte an Me¬dikamenten, Nahrung, Wasser …
„Branqo, du verfluchter Idiot!“, Yaraths Stimme, ein bisschen kratzig, aber bewundernswert kraftvoll, schallte durch den Dschungel wie ein Urschrei.
„Was soll der Unsinn“, fauchte Branqo zurück. „Ich hab nichts verbrochen, klar!“
„Du hast die Flasche nicht richtig zugemacht, du …“ Yarath atmete hastig. Sie hielt einen sil-bernen Gegenstand in die Höhe und richtete ihn anklagend auf Branqo.
„Natürlich hab ich sie richtig zugemacht – Geht das nicht in deinen Schädel?“ Er ballte die Hände zu Fäusten, als ob er am liebsten auf sein Gegenüber eingeprügelt hätte. „Überprüf doch erst mal den Verschluss, bevor du mich so ankläffst! Wirklich, du hast ’nen Stich, Yarath.“
Ich fragte mich besorgt, was mit den beiden los war – aber Gabor ging bereits dazwischen, wie es sich für einen Anführer gehörte.
„Da war unsere letztes Wasser!“, jammerte Yarath. „Branqo, dieser hirnlose malkorianische Ochse …“
„Ich sagte doch, ich war’s nicht, du Matschrübe!“, brüllte der Beschuldigte ungehalten. Gabor warf den Beiden finstere Blicke zu, dann untersuchte er die Flasche gründlich.
Ehrlich gesagt, war mir egal, wer die Schuld an dieser Katastrophe trug. Unser letztes Wasser, unser letztes Wasser … ich konnte an nichts anderes denken. Das war mein Tod, das war unser aller Tod … Die Bäume drehten sich um mich.
„Branqo hat recht“, erklärte Gabor ruhig – und ich bewunderte ihn für diese Ruhe. „Die Flasche besteht aus einer Eisenlegierung. Sie ist korrodiert.“
„Korrodiert?“ hakte Yarath fassungslos nach. Die anderen standen wie versteinert daneben. „Ja. Korrodiert. Durchgerostet. Futsch. Kein Wunder bei der Feuchtigkeit.“ Er deutete auf ein winziges Loch am Boden der Flasche.
Ich schaute in schmutzige, betretene Gesichter. In einigen von ihnen spiegelte sich Todes-angst wieder … vor allem in Niras.
„Was machen wir jetzt?“, fragte Yarath’s Verlobter Talis schwach.
Yarath und Branqo zuckten ratlos die Schultern. Gabor schnappte sich einen Kanister und marschierte entschlossen in den Wald.
„Wo willst du hin?“, rief Arem ihm nach.
„Wasser holen“, antwortete er knapp.
„Na dann, viel Glück“, murmelte Branqo und bewunderte seine schlammverkrusteten Schuhspitzen.
„Wir sollten erst mal die Zelte aufbauen“, hörte ich mich zu meiner eigenen Überraschung sa¬gen. „Und Nira muss aus den nassen Sachen raus!“
„Seit wann hast du hier Kommando?“, brummte Yarath – doch dann tat sie genau das, was ich vorgeschlagen hatte: Sie half mir, Nira aus den nassen Kleidern zu schälen.
Niras nackter Körper war zart und hell. Und sie war so abgemagert, dass man ihre Rippen zählen konnte. Noch abgemagerter, als wir anderen … Ihre kleinen Brüsten hoben und senkten sich unter ihren schweren, keuchenden Atemzügen. Impulsiv berührte ich ihr Gesicht. Ihre Au¬gen öffneten sich, aber sie schien geradewegs durch mich hindurch zu sehen – mit einem ent¬rückten Lächeln, als ob sie in eine Träne der Propheten schaute. Dann fiel ihr Kopf wieder zur Seite. Ihre Lider flatterten. Als wir sie in eine Decke wickelten, reagierte sie nicht auf uns.
„Haben wir so etwas wie einen medizinischen Tricorder?“, fragte ich verzweifelt.
Talis reichte mir das Gerät und hockte sich neben Yarath nieder.
Yarath ließ den Scanner über Niras Körper wandern und seufzte.
„Was hat sie?“, fragte ich angespannt.
„Keine Ahnung“, antwortete sie frustriert. „Ich kann mit diesen Werten nichts anfangen. Das Einzige, was ich mit Sicherheit sagen kann, ist, dass sie 40,2°C Fieber hat.“
Vierzig! Ich schnappte entsetzt nach Luft. „Egal, was sie hat – wir müssen das Fieber senken!” Talis stimmte mir zu. „Du hast doch Ahnung von Kräutern, Ilana …“
„Ja, ein bisschen, aber …“ Fieber senken … ein Kraut, um das Fieber zu senken … ich kramte wie wild in meinem Gedächtnis. Die Einzige unter uns, die eine medizinische Ausbildung hatte, war ausgerechnet Nira.
In diesem Moment setzte sie sich kerzengerade auf und umklammerte mein Handgelenk so fest, dass es schmerzte. „Virastal!“ sagte sie eindringlich. „Ihr müsst es mit Virastal versu-chen!“
Ihre Augen waren klar, ebenso ihre Stimme und ihr Verstand. Das war sicher nicht von Dauer. „Haben wir so was?“, fragte ich unsicher.
„Ich seh mal nach.“ Talis sprang auf und wühlte in seinem Rucksack.
„Das wird eine lange Nacht”, murmelte ich, denn Nira und ich teilten uns ein Zelt.
Yarath berührte meinen Arm und betrachtete mich mitfühlend. „Du musst nicht bei ihr blei-ben. Ich kann das auch. Talis, es ist doch in Ordnung, wenn Ilana heute bei dir schläft, oder?“
Er lächelte. „Kein Problem.“
„Danke, das ist lieb gemeint, aber …“ Ich warf einen Blick auf Nira, die wieder mit halb ge-schlossenen Augen auf ihrer Decke lag. „Ich glaube, sie möchte, dass ich bei ihr bleibe.“
Yarath setzte zu einer Erwiderung an, aber da kam Gabor zurück.
„Das ist leider das Beste, was ich auftreiben konnte“, erklärte er und stellte den Kanister ab. „Bäh, das ist kein Wasser, sondern Schlamm!“ protestierte Branqo.
Ich musste ihm recht geben. Es war gelblich braun und stank einfach widerlich. Keine hundert Pah-Geister brachten mich dazu, dieses Zeug zu trinken!
„Da schwimmen ja Würmer drin!“, stieß Talis angeekelt hervor.
Bäh, tatsächlich, er hatte recht! Mir wurde so schlecht, dass ich meinen Becher fallen ließ.
„Wenn wir diese Brühe Nira einflößen, holt sie sich gleich die nächste Krankheit“, gab Yarath zu bedenken.
Gabor hob die Hände. „Regt euch ab! keiner verlangt von euch, dieses … dieses Biotop runterzukippen! Wir gießen das Wasser durch ein Tuch und kochen es anschließend ab.“
„Abkochen … geniale Idee“, meinte Talis mit beißender Ironie. „Aber die Streichhölzer hatte Nira – und ihr Ruck¬sack ist völlig durchnässt! Den Elektrokocher kriege nicht mal ich wieder hin.“
„Und wenn wir mit einem Brennglas …“ begann Arem zaghaft.
Yarath lachte trocken. „Durch dieses Blätterdach kommt keine Sonne, du Spaßvogel.“
„Okay, das nächste Mal machen wir irgendwo Rast, wo das Waldsterben ein bisschen weiter fortgeschritten ist“, seufzte Gabor.
„Wir könnten unsere Phaser nehmen, um ein Feuer anzuzünden“, schlug Yarath vor. „Wenn das nicht klappt, können uns nur noch die Propheten helfen.“
„Die Propheten waren heute nicht sehr freundlich zu uns, oder?“, gab Branqo angriffslustig zurück. „Jeden¬falls würde ich das heute einen wahren Scheißtag nennen!“
„Die Idee mit dem Phaser ist mir auch schon gekommen. Aber es dürfte schwierig werden, da das Holz so feucht ist“, grübelte Gabor. „Wenn man die Energie zu niedrig einstellt, wird es nicht brennen – stellt man sie zu hoch ein, macht es puff.“ Plötzlich leuchteten seine Augen auf und er sah mich eindringlich an. „Wenn einer von uns das hinkriegt, dann bist du es, Ilana!“
„Was, ich?“ Überrascht blickte ich in seine warmen braunen Augen, die in dieser Sekunde voller Vertrauen auf mir ruhten.
„Keiner ist mit der Waffe so geschickt wie du.“ Mit einem Lächeln fügte er hinzu: „Jedenfalls hätte keiner von uns mit gefesselten Händen seine Handschellen aufgeschmolzen, ohne ne-benbei seine Hände zu vaporisieren.“
„In Ordnung, ich probiere es“, erwiderte ich und strahlte.
Obwohl meine Freundin krank war, obwohl wir durch einen stinkenden Sumpf wanderten und die Cardassianer hinter uns her waren, ergriff ein warmes Hochgefühl Besitz von mir. Branqo hatte recht: Es war ein Scheißtag. Doch Gabor schaffte es, ihn mir zu versüßen.
Aber dann fing ich einen Blick von Yarath auf, der alles andere als freundlich war.

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