{"id":91,"date":"2008-08-30T15:46:31","date_gmt":"2008-08-30T14:46:31","guid":{"rendered":"http:\/\/st-defender.de\/blog\/defender\/?p=91"},"modified":"2013-09-12T19:52:10","modified_gmt":"2013-09-12T19:52:10","slug":"episode-04-todesvisionen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/st-defender.de\/?p=91","title":{"rendered":"Episode 04: Todesvisionen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/st-defender.de\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/defender_ep_04.jpg\" rel=\"lightbox\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft\" title=\"Todesvisionen\" alt=\"Todesvisionen\" src=\"http:\/\/st-defender.de\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/defender_ep_04.jpg\" width=\"30%\" height=\"30%\" border=\"0\" \/><\/a> Captain Lairis ist auf einem unwirtlichen Planetoiden abgest\u00fcrzt und muss zusehen, wie ein Mitglied ihrer Crew nach dem anderen stirbt.<br \/>\nDoch die Ereignisse nehmen pl\u00f6tzlich seltsame Wendungen und Lairis beginnt, zu zweifeln: Ist das, was sie erlebt, \u00fcberhaupt real? Ist sie wahnsinnig oder bereits tot?<br \/>\nAntworten auf ihre Fragen erh\u00e4lt sie von ihrer Vorg\u00e4ngerin Coraz\u00f3n Inserra &#8211; die vor \u00fcber 50 Jahren gestorben ist &#8230;<\/p>\n<p><strong> <\/strong>Status:\u00a0 fertig<\/p>\n<p class=\"left\"><a href=\"http:\/\/www.treknews.de\/treknews\/newspro-treknews\/static\/12382684527258.php\" target=\"_blank\">Diese Episode bei TrekNews!<\/a><\/p>\n<p class=\"left\"><a href=\"http:\/\/st-defender.de\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/st-defender_ep04.pdf\" target=\"_blank\">Download <\/a><a href=\"http:\/\/www.treknews.de\/treknews\/newspro-treknews\/static\/12382684527258.php\" target=\"_blank\"><br \/>\n<\/a><\/p>\n<p class=\"left\"><!--more--><\/p>\n<p><strong> 1. Kapitel: Gestrandet <\/strong><\/p>\n<p>\u201eWarnung! Aufprall in drei Minuten \u2026 zwei Minuten, f\u00fcnfzig Sekunden \u2026 zwei Minuten, vierzig Sekunden \u2026\u201c<br \/>\nDie melodische, gleichg\u00fcltige, monotone weibliche Stimme drang aus einer anderen Dimension zu Captain Lairis Ilana durch. Der Verstand der Bajoranerin driftete zwischen Vergangenheit, Zukunft und Fantasie. Nur die Gegenwart schien nicht greifbar.<br \/>\n\u201eWarnung! Temperatur der Au\u00dfenh\u00fclle erreicht kritisches Niveau!\u201c<br \/>\n\u201eSchilde auf volle Kraft!\u201c entgegnete Lairis automatisch. Einer der Befehle, die ihr ins Blut \u00fcbergegangen waren, obwohl sie diesmal keine Ahnung hatte, weshalb sie ihn erteilte. Ein Schiff war offensichtlich in Schwierigkeiten und sie ahnte, dass es ihr eigenes war. Vage Erinnerungen an einen Quantentorpedo-Angriff stiegen hoch, ein Sternenflottenschiff, das auf ein anderes feuerte \u2026 Nur weshalb? Es schien so unverst\u00e4ndlich, so sinnlos. Ein Teil der Antwort ragte aus einem Strudel wirrer Gedanken und Gef\u00fchle, wie der Arm eines Ertrinkenden. Lairis versuchte ihn zu fassen, doch er verschwand im Strudel.<br \/>\nFeuer, Qualm und Hitze. Ihre letzten Erinnerungen. Feuer, Qualm, Zerst\u00f6rung, Tod.<br \/>\nKritisches Niveau. Aufprall. Warnung.<br \/>\nSchlagartig begriff sie, dass sie in h\u00f6chster Gefahr schwebte. Sie war in ihrem brennenden Schiff eingeschlossen, erkannte sie mit Entsetzen. Ihre Flucht war nur eine Illusion gewesen.<br \/>\n\u201eWarnung: Aufprall in zwei Minuten, drei\u00dfig Sekunden &#8230;\u201c<br \/>\nMit einem Mal war Lairis hellwach. Sie befand sich nicht an Bord der CASABLANCA, sondern in einem Shuttle \u2026 einem Shuttle, das sich im Sturzflug auf einen Planeten befand! Ein sandgelber, toter Himmelsk\u00f6rper, dessen Gravitation sie unbarmherzig in die Tiefe zog.<br \/>\n\u201eVoller Impuls! Steigflug hundertsechzig Grad!\u201c wies sie den Computer hastig an. Vielleicht konnte sie der Anziehungskraft des Himmelsk\u00f6rpers noch entkommen.<br \/>\nDoch das Shuttle reagierte nicht. Lairis bediente die Regler manuell, aber das Schiff st\u00fcrzte weiter in die Tiefe. Ihr wurde \u00fcbel. Vom Gift in ihrem Blut und vor Angst um ihr Leben.<br \/>\n\u201eComputer: Diagnose der Impulstriebwerke!\u201c<br \/>\n\u201eDie Impulstriebwerke funktionieren innerhalb normaler Parameter.\u201c<br \/>\n\u201eErz\u00e4hl mir doch keinen Schwachsinn!\u201c tobte sie los.<br \/>\n\u201eBefehl kann nicht verarbeitet werden.\u201c<br \/>\n\u201eDas ist wohl deine Ausrede f\u00fcr alles heute.\u201c<br \/>\n\u201eBefehl kann nicht verarbeitet werden.\u201c<br \/>\n\u201eWie w\u00e4r\u2019s mit: Maschinen haben zu funktionieren!\u201c<br \/>\n\u201eWarnung! Aufprall in zwei Minuten, drei\u00dfig Sekunden.\u201c<br \/>\n\u201eIch WARNE dich!\u201c fuhr Lairis den Computer an. \u201eWenn ich \u00fcberlebe, wirst du elendes Ding sofort auf den M\u00fcll geschmissen! Verdammter \u00fcberempfindlicher F\u00f6derationsschrott!\u201c<br \/>\nLairis bet\u00e4tigte die Regler f\u00fcr den Sinkflug, aber nichts geschah.<br \/>\nDas Shuttle trudelte dem steinigen Boden entgegen. Dutzende hoher, spitzer Felsnadeln ragten aus dem Sand. Mit Grauen erinnerte sich Lairis an einen Alptraum, in dem sie von Metallpf\u00e4hlen am Grund einer Schlucht aufgespie\u00dft wurde. Konnten Alptr\u00e4ume wahr werden? Sie h\u00e4tte sich am liebsten vom Bildschirm abgewandt. Feine Schwei\u00dfperlen traten ihr aus allen Poren. Ihre Finger waren klamm und steif, als sie die Antigravitationstriebwerke einschaltete. Ihre letzte Rettung vor dem sicheren Tod.<br \/>\nAber der freie Fall des Shuttles verlangsamte sich kein bisschen.<br \/>\nDas Bild auf dem Monitor wich immer wieder einem diffusen Rauschen.<br \/>\n\u201eComputer, Systemdiagnose! Was, zum Henker, ist hier los?\u201c<br \/>\nDer Computer antwortete nicht und sie schlug voller Frust mit der flachen Hand auf den Schalter f\u00fcr das Antigrav-Triebwerk. Pl\u00f6tzlich verharrte das Shuttle zwischen der d\u00fcnnen Wolkenschicht und den schwarzen H\u00fcgelketten.<br \/>\n\u201eAlso, wir verstehen uns doch.\u201c Lairis wischte sich den Schwei\u00df mit dem \u00c4rmel von der Stirn. Ihre Finger zitterten noch leicht, als sie \u00fcber die Regler des Steuerpults glitten. Das Shuttle beschrieb einen eleganten Bogen abw\u00e4rts. Lairis atmete erleichtert auf. \u201eNa bitte, warum nicht gleich so?\u201c Es sah ganz so aus, als w\u00fcrde sie doch noch eine akzeptable Landung zustande bringen. Sie fragte sich, weshalb die Navigationselektronik verr\u00fcckt gespielt hatte. Elektromagnetische Felder? Sch\u00e4den durch die Hitzeentwicklung beim Atmosph\u00e4reneintritt? Die Au\u00dfenh\u00fcllen von Sternenflottenshuttles bestanden zwar aus einer speziellen Keramikverbindung, die wie ein Hitzeschild wirkte und ein Vergl\u00fchen in der Atmosph\u00e4re verhinderte. Nichtsdestotrotz war es ratsam, bei einer Landung den Energieschutzschild hochzufahren, um die Au\u00dfenhaut zu schonen. Lairis hatte zwar die Schutzschilde aktiviert, aber vielleicht war es zu sp\u00e4t geschehen.<br \/>\nWeil sie bewusstlos gewesen war.<br \/>\nNun erinnerte sie sich wieder: Sie hatte mit M\u00fche und Not das Shuttle erreicht, bevor eine Explosion die Antriebssektion des USS Casablanca in St\u00fccke gerissen hatte. Die gl\u00fchenden Tr\u00fcmmer st\u00fcrzten auf sie zu wie feindliche Torpedos, doch sie war in letzter Sekunde mit dem Shuttle auf Warp gegangen und dem Feuerregen entkommen.<br \/>\nAber wo befand sie sich jetzt? Welchen Kurs hatte sie programmiert?<br \/>\nSie bem\u00fchte ihr Ged\u00e4chtnis ohne Erfolg, die Zahlen verschwammen vor ihren Augen. Gegen die toxischen Gase aus der brennenden Casablanca, die ihr Blut vergifteten, hatte sie nicht l\u00e4nger ank\u00e4mpfen k\u00f6nnen. Sie wusste nicht, wie lange sie mit Warp 4,8 durchs All geflogen war, blind, auf einem ungewissen Kurs. Sie war erst aufgewacht, als das Shuttle im Begriff war, auf einen unbekannten Planeten zu st\u00fcrzen.<br \/>\nDas ergab durchaus Sinn. Raumschiffe der F\u00f6deration verf\u00fcgten \u00fcber einen Sicherheitsmechanismus, der automatisch von Warp auf Impuls schaltete, wenn sich das Schiff auf Kollisionskurs mit einem Himmelsk\u00f6rper, einem anderen Schiff oder einer Raumstation befand und der Pilot den Kurs nicht innerhalb von zwanzig Sekunden korrigierte.<br \/>\nLairis dachte mit gro\u00dfer Dankbarkeit an die Schiffskonstrukteure und ihre Weitsicht. Eine Weitsicht, ohne die sie jetzt tot w\u00e4re. Sie reduzierte das Antigravitationsfeld mit jedem Meter, den sie sich der Oberfl\u00e4che n\u00e4herte. Das Shuttle ber\u00fchrte schon beinahe den Untergrund. Sie gab den Befehl zum Ausfahren der Landest\u00fctzen.<br \/>\nDoch sie hatte sich zu fr\u00fch gefreut.<br \/>\nWieder flackerte das Bild auf dem Monitor.<br \/>\nDas Shuttle kreischte auf wie ein lebendes Tier, als es \u00fcber felsigen Boden schrammte, ein paar Meter aufstieg, wieder \u00fcber den Fels schrammte, dann \u00fcber Sandd\u00fcnen schlitterte.<br \/>\nLairis bekam die Steuerung nicht in den Griff \u2013 egal, was sie versuchte. Das kleine Schiff galoppierte wie ein ungez\u00e4hmtes Pferd durch die W\u00fcste. Es lie\u00df sich nicht stoppen, nicht hoch rei\u00dfen und nicht wenden. Der Sand spritzte rechts und links meterhoch.<br \/>\nEin See glitzerte in der Ferne. Oder ein Binnenmeer. Die Sonne, bereits tief am Himmel, \u00fcberstrahlte alles mit ihrem Gl\u00fchen. Auch die schwarze, senkrechte Felswand, die bedrohlich n\u00e4her r\u00fcckte \u2026 Die Geschwindigkeit des Shuttles lie\u00df sich nicht drosseln. Das Schiff schien verhext. Es hatte sich vollkommen der Kontrolle seiner Pilotin entzogen.<br \/>\n\u201eVoller Stopp! Tr\u00e4gheitsd\u00e4mpfer hoch!\u201c rief sie verzweifelt und dr\u00fcckte gleichzeitig die Bremsregler bis zum Anschlag durch.<br \/>\nAber das Schiff kam nicht zum Stehen. Es wurde zwar durch die Reibung mit dem Untergrund immer langsamer \u2013 vielleicht sogar langsam genug, um Lairis das Leben zu retten \u2013 dennoch schien der Zusammensto\u00df mit der Felswand unvermeidbar. Sie f\u00fcllte bereits den ganzen Bildschirm aus. Lairis versuchte, das Schiff herum zu rei\u00dfen: hart Steuerbord, hart Backbord, immer wieder \u2026 aber es n\u00fctzte nichts. Zur H\u00f6lle, wieso lie\u00df sich das verfluchte Ding nicht man\u00f6vrieren? Es hatte doch eben noch geklappt!<br \/>\n\u201eBitte, tu mir das nicht an\u201c, murmelte sie halb erstickt. Der Computer h\u00f6rte nicht auf sie.<br \/>\nLairis versuchte ein letztes Ausweichman\u00f6ver und ahnte bereits, das es nicht funktionieren w\u00fcrde. F\u00fcr einen Moment schloss sie die Augen und betete, die Au\u00dfenh\u00fclle m\u00f6ge dem Zusammenprall standhalten. Ihr Magen schmerzte, ihre Kehle war wie zugeschn\u00fcrt.<br \/>\nDoch pl\u00f6tzlich, als w\u00e4ren ihre Gebete erh\u00f6rt worden, stoppte das Shuttle abrupt. Zumindest bewegte es sich nicht mehr vorw\u00e4rts, sondern \u2026 Abw\u00e4rts!<br \/>\nLairis blinzelte irritiert. Der schwarze, zerkl\u00fcftete Fels f\u00fcllte immer noch den Bildschirm \u2013 aber nicht mehr den ganzen Schirm. Nein, die untere H\u00e4lfte war mit feinem, zart gelbem Sand bedeckt. Sand der immer h\u00f6her stieg und den Fels verschluckte!<br \/>\nLairis\u2019 Herzschlag setzte f\u00fcr eine Sekunde aus. Treibsand!<br \/>\n\u201eComputer: Notfalltransport!\u201c Blitzschnell packte sie den Tornister neben ihrem Sitz. Er enthielt ein Med-Kit, einen Tricorder, eine Packung Feldrationen und zwei Zwei-Liter-Flaschen Mineralwasser. Lairis hatte angeordnet, dass mehrere solcher \u201eNotfall-Tornister\u201c auf allen Shuttles der CASABLANCA griffbereit deponiert werden sollten, falls eine pl\u00f6tzliche Evakuierung n\u00f6tig war oder die Replikatoren nach einem Crash nicht mehr funktionierten.<br \/>\n\u201eTransport nicht m\u00f6glich. Zu starke elektromagnetische Interferenzen.\u201c<br \/>\n\u201eSchei\u00dfe, das darf doch wohl nicht wahr sein!\u201c fluchte Lairis, w\u00e4hrend sie den Tornister schulterte, auf den Pilotensitz sprang, die Notausstiegsluke aufriss, die Griffe an der Decke packte und Schwung holte, um sich hochzuziehen. Elektromagnetische Interferenzen. Zumindest hatte sie jetzt die Erkl\u00e4rung, weshalb das Navigationssystem immer wieder versagt hatte. Ihre Uniform qualmte, dort, wo sie mit der hei\u00dfen Au\u00dfenh\u00fclle in Ber\u00fchrung kam. Sie schaffte es, sich aufzurappeln, ohne das Schiff mit blo\u00dfen H\u00e4nden zu ber\u00fchren. Mit einem Satz rettete sie sich vom Dach und ein Teil ihrer Schuhsohlen blieb daran kleben. Sie verschwendete keinen Gedanken daran, ob der Boden dort, wo sie landete, ebenfalls instabil sei. Welche Wahl hatte sie?<br \/>\nDer Gestank nach verbranntem Gummi gab ihrem Magen den Rest. Ihre Beine versagten den Dienst. Sie sank auf die Knie, aber zumindest sank sie nicht tiefer in den Boden ein. Ein Geysir aus brennender S\u00e4ure schoss ihre Speiser\u00f6hre hoch und im n\u00e4chsten Moment ergoss sich ihr sp\u00e4rlicher Mageninhalt in den W\u00fcstensand. Qualvolle Minuten, in denen sich ihr Inneres immer wieder zusammen zog und anschlie\u00dfend brachial aus ihr heraus quoll.<br \/>\nDanach fiel sie ersch\u00f6pft in den Sand. Der Himmel drehte sich \u00fcber ihr.<br \/>\nAls sie sich etwas besser f\u00fchlte, nahm sie die Feldflasche aus dem Rucksack und trank gierig ein paar Schluck Wasser, um den widerlichen Geschmack nach ihrem eigenen Erbrochenen herunter zu sp\u00fclen. Allerdings war ihr bewusst, dass sie sehr sparsam mit dem Wasser umgehen musste. Falls das Shuttle g\u00e4nzlich im Treibsand verschwinden sollte und sie kein S\u00fc\u00dfwasser auf diesem Planeten fand \u2026<br \/>\nIhr Gesicht f\u00fchlte sich hei\u00df an und tat weh, ebenso ihre H\u00e4nde. Es war ihr nicht aufgefallen, so lange sie mit der Steuerung ihres Shuttles gek\u00e4mpft hatte, doch nun erkannte sie, dass die Hitze auf der brennenden CASABLANCA Spuren hinterlassen hatte. Verbrennungen ersten und zweiten Grades. Auf dem Handr\u00fccken bildeten sich erste Brandblasen. Sie tastete nach dem Hautregenerator in ihrem Notfall-Koffer und bearbeitete damit ihr Gesicht und ihre H\u00e4nde so lange, bis die Schmerzen aufh\u00f6rten. Anschlie\u00dfend injizierte sie sich ein Medikament, das die Sauerstoffversorgung ihres Blutes erleichterte. \u201eDas ist wirklich nicht mein Tag\u201c, murmelte sie und wagte einen Blick zu ihrem Shuttle. Es war nicht vollst\u00e4ndig im Treibsand verschwunden und das beruhigte sie sehr. Falls es innerhalb der n\u00e4chsten halben Stunde nicht tiefer einsinken sollte, konnte sie riskieren, noch einmal an Bord zu gehen und die \u00fcbrigen Tornister zu bergen. Mit den Nahrungs- und Wasservorr\u00e4ten darin konnte sie mindestens eine Woche \u00fcberleben, selbst wenn sie keine S\u00fc\u00dfwasserquelle fand. Vielleicht gelang es ihr, ein Notsignal zu senden, sobald der elektromagnetische Sturm nachgelassen hatte.<br \/>\nZun\u00e4chst musste sie mit ihrem Tricorder die Stabilit\u00e4t des Bodens pr\u00fcfen. Vorher w\u00fcrde sie keinen einzigen Schritt wagen! Als sie das Ger\u00e4t aufklappte, zeigte sein Display eine Au\u00dfentemperatur von 34\u00b0C und 18 Prozent Sauerstoff in der Atmosph\u00e4re an. Keine Giftigen Gase.<br \/>\n\u201eNa ein Gl\u00fcck \u2013 bleibt mir blo\u00df vom Acker mit giftigen Gasen! Ohne diese widerliche Hitze, den Staub, den Treibsand und die miserable Verkehrsanbindung w\u00fcrde ich diesen Ort ja f\u00fcr meine Flitterwochen buchen. Vierunddrei\u00dfig Grad! Und das abends! Ich will nicht wissen, wie hei\u00df es hier unter Mittag wird.\u201c<br \/>\nIm n\u00e4chsten Augenblick grinste sie \u00fcber ihr eigenes Verhalten. Kaum gestrandet, schon f\u00fchrte sie Selbstgespr\u00e4che! Also aktivierte sie die Record-Funktion ihres Kommunikators.<\/p>\n<p><em>\u201ePers\u00f6nliches Computerlogbuch, Captain Lairis Ilana. Sternzeit unbekannt.<\/em><br \/>\n<em>Ich habe mein Schiff, die USS Casablanca, in die Flugbahn eines Quantentorpedos gesteuert, entkam mit sehr viel Gl\u00fcck aus der brennenden Antriebssektion, erwischte im letzten Moment ein Rettungsshuttle, bin gestartet, bevor die Casablanca explodierte, wurde als Folge einer Rauchvergiftung bewusstlos, erwachte im Orbit dieses mir unbekannten Planeten und habe im wahrsten Sinne des Wortes die Landung in den Sand gesetzt. <\/em><br \/>\n<em>Ich wei\u00df, sehr ruhmreich klingt das alles nicht \u2013 aber zu meiner Ehrenrettung muss ich sagen, dass ich mit der Untertassensektion der Casablanca einen Torpedo abgefangen habe, der f\u00fcr die USS Defiant bestimmt war. Und dass dieser Torpedo nicht etwa von Dominion oder irgendwelchen anderen Lakaien eines Schurkenstaates abgefeuert wurde, sondern von einem Sternenflottenschiff, der USS Lakota. Zum Gl\u00fcck scheint die Strahlung, die der explodierende Torpedo abgegeben hat, nicht bis zur Antriebssektion vorgedrungen zu sein. Sonst h\u00e4tte ich es l\u00e4ngst gemerkt und \u2013 bei den Propheten \u2013 dann w\u00e4ren die klimatischen Bedingungen auf dieser Staubkugel meine geringste Sorge. <\/em><br \/>\n<em>Admiral Layton befahl der Kommandantin der Lakota, Captain Erica Benteen, auf die Defiant zu feuern \u2013 mit der Begr\u00fcndung, die Crew sei durch Wechselb\u00e4lger ausgetauscht worden.<br \/>\nMeine Offiziere und ich wissen es jedoch besser. Um sicher zu gehen, haben wir n\u00e4mlich bei allen Besatzungsmitgliedern der Defiant Bluttests durchgef\u00fchrt. Benteen wollte mir dummer Weise nicht glauben, dass wir die Blutproben besitzen \u2026 sie dachte, ich bluffe nur und sei von meinen angeblichen Freunden \u2013 die ja ihrer Meinung nach alles Wechselb\u00e4lger sind \u2013 an der Nase herum gef\u00fchrt worden \u2026 h\u00e4tte mir die ganze Geschichte nur aus den Fingern gesogen, um Layton die Karriere zu versauen \u2026 was auch immer. Es ging beim besten Willen nicht in ihren Kopf, dass Laytons Behauptung, die Besatzung der Defiant best\u00fcnde aus Wechselb\u00e4lgern, falsch sein k\u00f6nnte. Daher waren meine Versuche, sie verbal zu \u00fcberzeugen, leider v\u00f6llig erfolglos, und ich musste zu etwas \u2026 radikaleren Mitteln greifen. Im Klartext: Ich sah keine andere Wahl, als mein Schiff und mein Leben zu riskieren, um sie zur Umkehr zu bewegen. Schlie\u00dflich w\u00fcrde kein Sternenflottenoffizier f\u00fcr ein Schiff voller Wechselb\u00e4lger sterben! Jetzt, wo sie denkt, sie h\u00e4tte die Crew des USS Casablanca auf dem Gewissen, wird sie hoffentlich aufh\u00f6ren, auf andere Sternenflottenschiffe zu feuern. <\/em><br \/>\n<em>Genau das werde ich auch vor Gericht aussagen. Entweder als Zeugin oder als Angeklagte.<br \/>\nEines steht fest: Wenn mein selbstm\u00f6rderischer Appell an Benteens Vernunft erfolglos war, ist mir das Kriegsgericht sicher. Falls mich die Sternenflotte hier findet, hei\u00dft das. Ich hoffe es, denn ehrlich gesagt w\u00e4re ich lieber in einer Strafkolonie der F\u00f6deration gefangen als \u2026 hier. Wenn ich es so unfein ausdr\u00fccken darf: Dieser Planet kotzt mich jetzt schon an \u2013 und das gleiche habe ich mit ihm auch gemacht.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Lairis stoppte die Aufnahme und lie\u00df ihren Blick in die Ferne schweifen. Die riesige, gelbe Sonne w\u00fcrde bald im See versinken. Nein, im Meer, korrigierte sich Lairis. Ihren Tricorderwerten zufolge handelte es sich um ein stark salzhaltiges Binnenmeer. Es enthielt keine giftigen Mineralien, keine Pflanzen und keine Tiere. Leben schien es hier sowieso nicht zu geben und das machte Lairis Angst. Wovon sollte sie sich ern\u00e4hren, falls ihre Vorr\u00e4te aus dem Shuttle zu Neige gingen und der Replikator nicht funktionierte?<br \/>\nSo weit durfte sie gar nicht denken. Vielleicht hatte die Raum\u00fcberwachung sie l\u00e4ngst lokalisiert \u2026 Nein, dieses Gedanken verwarf Lairis ganz schnell wieder. Die F\u00f6derierte Raum\u00fcberwachung interessierte sich in der Regel nur f\u00fcr vier Sorten Schiffe: solche, die klein F\u00f6derationskennzeichen trugen, solche, die offensichtlich in Schwierigkeiten steckten, solche, die gerade ihre Waffen abfeuerten und solche, die schneller als Warp 5 flogen. Das Shuttle von Captain Lairis geh\u00f6rte zu keiner dieser Kategorien. Aber die Sternenflotte w\u00fcrde ganz bestimmt nach ihr suchen und ihre Offiziere w\u00fcrden die Hoffnung als letztes aufgeben.<br \/>\nAls sie an ihre Crew dachte, versp\u00fcrte sie einen vagen Schmerz. Lieutenant Commander Jeremy Prescott, Lieutenant Marc van de Kamp, F\u00e4hnrich Vixpan, F\u00e4hnrich Pamela Wheeler und Lieutenant Varla waren im Privatshuttle des Captains gestartet, als der Torpedo die Casablanca getroffen hatte. Alle \u00fcbrigen Crewmitglieder hatte Lairis auf der Raumstation des befreundeten Captains Charles Devereaux zur\u00fcckgelassen.<br \/>\nAuch um ihn machte sie sich Sorgen. Sollte ihr Plan nicht aufgegangen sein, drohte ihm ebenfalls das Ende seiner Karriere \u2013 vielleicht sogar Gef\u00e4ngnis.<br \/>\nAber Prescott hatte die Blutproben mitgenommen. Sie waren der letzte Beweis, falls Benteen tats\u00e4chlich die Defiant abgeschossen hatte. An diese Hoffnung klammerte sich Lairis.<br \/>\nDie F\u00f6deration durfte sich nicht in eine Diktatur verwandeln, in der es normal war, dass Zivilisten in ihren Wohnungen eingesperrt und abtr\u00fcnnige Sternenflottencrews mit furchtbaren, neuartigen Waffen ausgel\u00f6scht wurden! Lairis hatte erlebt, was bereits ein einziger Quantentorpedo auf einem gro\u00dfen Schiff wie der Casablanca anrichten konnte. Zwei oder drei dieser Torpedos w\u00fcrden die kleine Defiant auf der Stelle vaporisieren.<br \/>\nEine unbestimmte Zeit sa\u00df sie regungslos da und blickte auf den Horizont, wo die Abendsonne den Himmel mit orange und purpur \u00fcberzog. Sie wurde m\u00fcde, ihre Gedanken pl\u00e4tscherten dahin wie die Wellen des Meeres. Noch bevor es v\u00f6llig dunkel w\u00fcrde, w\u00fcrde sie sich g\u00f6nnen, darin zu schwimmen.<br \/>\nDoch zun\u00e4chst galt es, Dringendes zu erledigen. Ihr Shuttle steckte seit mehr als einer Stunde auf der selben H\u00f6he im Sand und die Au\u00dfenhaut musste inzwischen abgek\u00fchlt sein. Also raffte Lairis sich auf, um an Bord zu gehen. Sobald sie die Tornister mit den Lebensmittelvorr\u00e4ten in Sicherheit gebracht hatte, musste sie einen Unterschlupf f\u00fcr die Nacht suchen.<br \/>\nDie ersten drei Tornister lehnten bereits drau\u00dfen an der Felswand, als ihr einfiel, dass sie anhand der Sensordaten ungef\u00e4hr herausbekommen k\u00f6nnte, wo sie gestrandet war.<br \/>\nDoch eine ungute Vorahnung erfasste sie, ein Gef\u00fchl, das ihren R\u00fccken mit einer G\u00e4nsehaut \u00fcberzog. Zun\u00e4chst versuchte sie, ein Notsignal auf allen F\u00f6derationsfrequenzen zu senden. \u201eHier ist Captain Lairis Ilana von der USS Casablanca\u201c, begann sie. \u201eMein Schiff wurde zerst\u00f6rt, ich musste notlanden und habe keine Ahnung, wo ich bin \u2026\u201c Ein statisches Rauschen begr\u00fc\u00dfte sie und ihr wurde immer mulmiger zumute. Sie hatte gehofft, dass die elektromagnetischen Interferenzen inzwischen nachgelassen hatten und ihre Nachricht dort drau\u00dfen empfangen werden konnte. Der Computer gab zwar keine Fehlermeldung, aber auch keine Meldung, dass ihr Signal erfolgreich abgesetzt wurde. Aber das tat er sonst immer, das musste einfach sein \u2026<br \/>\nLairis wunderte sich \u00fcber die heftige Angst, die diese banale Fehlfunktion in ihr ausl\u00f6ste.<br \/>\n\u201eGut, dann mach ich erst mal eine Sensoranalyse und versuche es sp\u00e4ter noch mal\u201c, sagte sie zu sich selbst, um sich zu beruhigen.<br \/>\nDie Sensordaten scrollten den Bildschirm herunter und mit jeder Zeile verst\u00e4rkte sich die undefinierbare, beklemmende Furcht, die von Lairis Besitz ergriffen hatte.<br \/>\n<em>Nein, bitte nicht \u2026 warum passiert mir das \u2026 Bin ich der Pechvogel der Woche? Wie schlimm kann dieser Tag noch werden? Habe ich die Daten falsch gelesen? Hoffentlich \u2026<\/em><br \/>\nIhre Gedanken drehten sich im Kreis, aber Hoffnung \u2013 so erkannte sie schnell \u2013 war nicht sehr angebracht. Falls sich ihr Notsignal in den elektromagnetischen Feldern zerstreut hatte, w\u00fcrde niemand kommen, um sie zu retten. Nicht einmal ihre Crew.<br \/>\nLairis verlor jedes Zeitgef\u00fchl, w\u00e4hrend sie f\u00f6rmlich erstarrt vor den Bildschirm sa\u00df, unf\u00e4hig, die brutale Wahrheit, die ihr aus einer Kette schlichter Zahlen entgegen starrte, zu verarbeiten. Sie war gestrandet. Verloren. Und fr\u00fcher oder sp\u00e4ter w\u00fcrde sie verhungern, wenn Starfleet die Suche nach ihr aufgab.<br \/>\nSie w\u00fcrden \u00fcberall nach ihr suchen. \u00dcberall \u2013 nur nicht hier.<br \/>\nMit tauben, steifen Gliedern richtete sie sich auf. Der letzte Tornister. Sie musste ihn hier raus bringen \u2013 f\u00fcr den Fall, dass der Boden unter dem Schiff sp\u00e4ter seine Konsistenz verlieren sollte. Auf diesem verfluchten Planeten konnte man nie wissen \u2026<br \/>\nMit dem Tornister auf dem R\u00fccken kletterte sie hinaus ins Freie. Ihr K\u00f6rper funktionierte wie ein Automat, w\u00e4hrend ihr Verstand sich in Panik zu verlieren drohte. Beide Arme \u00fcber dem Kopf verschr\u00e4nkt, die Nase gegen den Stein gedr\u00fcckt, lehnte sie an der Felswand und k\u00e4mpfte m\u00fchsam um ihr inneres Gleichgewicht. V\u00f6llig aussichtslos war ihre Lage nicht \u2013 sie musste nur immer wieder versuchen, das Notsignal zu senden. Irgendwann gab es sicher eine Pause zwischen den elektromagnetischen St\u00fcrmen. Es deutete nichts darauf hin, dass das Comm-System defekt war. Auch der Replikator war noch intakt und konnte sie l\u00e4ngere Zeit versorgen. Mit diesem Gedanken sch\u00f6pfte sie neuen Mut und beschloss, gleich noch einmal an Bord zu gehen.<br \/>\nSie wandte sich um und ihr wurde schwindelig. Aber diesmal lag es nicht an den Folgen ihrer Rauchvergiftung und auch nicht an der Hitze. Es lag daran, dass sie Halluzinationen hatte. Glaubte sie jedenfalls. Hoffte sie!<br \/>\nDenn wenn sie nicht halluzinierte, war ihr Shuttle verschwunden.<br \/>\nSie rieb sich mehrmals mit der Hand \u00fcber die Augen, in dem frommen Wunsch, ihre \u00fcberreizten Nerven h\u00e4tten ihr einen Streich gespielt.<br \/>\nAber da war kein Shuttle. Nur endlose Sandd\u00fcnen, das Meer und der Himmel, der sie mit seinem romantischen Sonnenuntergangspanorama verspottete.<br \/>\nDa stie\u00df Lairis einen markersch\u00fctternden Schrei aus und schlug immer wieder mit blo\u00dfen F\u00e4usten auf den Fels ein.<\/p>\n<p>TO BE CONTINUED &#8230;.<\/p>\n<p>\u00a9 2007\/08 by Adriana Wipperling<\/p>\n<p class=\"left\"><a href=\"http:\/\/st-defender.de\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/st-defender_ep04.pdf\" target=\"_blank\">Komplette Episode als PDF-Download <\/a><a href=\"http:\/\/www.treknews.de\/treknews\/newspro-treknews\/static\/12382684527258.php\" target=\"_blank\"><br \/>\n<\/a><\/p>\n<div style=\"padding: 10px 0 \"  class=\"interactive_bottom\"><div class='button_holder_left'><iframe allowtransparency=\"true\" frameborder=\"0\" scrolling=\"no\" src=\"http:\/\/platform.twitter.com\/widgets\/tweet_button.html?url=http%3A%2F%2Fst-defender.de%2F%3Fp%3D91&amp;text=Episode 04: Todesvisionen&amp;count=horizontal&amp;lang=de_DE  \" style=\"width:65px; height:21px;\"><\/iframe><\/div><div class='button_holder_left'><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=http%3A%2F%2Fst-defender.de%2F%3Fp%3D91&amp;layout=box_count&amp;show_faces=false&amp;width=65&amp;action=like&amp;font=arial&amp;colorscheme=light&amp;height=65\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:65px; height:65px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Captain Lairis ist auf einem unwirtlichen Planetoiden abgest\u00fcrzt und muss zusehen, wie ein Mitglied ihrer Crew nach dem anderen stirbt. 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