{"id":640,"date":"2012-04-28T09:09:28","date_gmt":"2012-04-28T09:09:28","guid":{"rendered":"http:\/\/st-defender.de\/?p=640"},"modified":"2012-04-28T09:11:06","modified_gmt":"2012-04-28T09:11:06","slug":"defender-7-erste-leseprobe","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/st-defender.de\/?p=640","title":{"rendered":"Defender 7 &#8211; erste Leseprobe"},"content":{"rendered":"<p><strong>Prolog<\/strong><\/p>\n<p>Der Krach, der ihn weckte, r\u00fchrte von den Schritten Dutzender schwerer Stiefel.<\/p>\n<p>Tel-Maro sprang aus dem Bett und packte die Strahlenkanone, die er w\u00e4hrend der Nacht stets umklammert hielt wie ein Kuscheltier. Als er die Waffe entsicherte und sich hinter der T\u00fcr versteckte, wagte er kaum zu atmen. Nicht schon wieder! seufzte er innerlich. Es war bereits das f\u00fcnfte Mal, dass man kam, um ihn zu ho\u00adlen, dass man ihn in irgendein dunkles, dreckiges Kellerloch irgendeiner feindseligen, fensterlosen Stahlbetonfestung verschleppte &#8211; und dass er nach Stunden der Bewusstlosigkeit pl\u00f6tzlich in seinem Haus oder mitten auf der Stra\u00dfe aufwachte, ohne zu wissen, wie er dorthin gekommen war oder wo er sich eigentlich befand.<\/p>\n<p>Das Schrecken f\u00fchlte sich jedes Mal so real an, dass er Tel-Maro regelrecht l\u00e4hmte \u2013 selbst wenn das, was er erlebte, so unglaublich schien, dass es nie und nimmer real sein konnte.<!--more--><\/p>\n<p>Fr\u00fcher hatte er oft geglaubt, verr\u00fcckt zu werden. Das Virus. Es befiel jeden Mann, jede Frau jedes Kind auf diesem Planeten, es rief Hirnfieber und Wahnsinn hervor, ohne Behandlung f\u00fchrte es nach sp\u00e4testens sechs Zyklen zum Tod. Es gab keinen Impfschutz und kein Heilmittel \u2013 bis auf das Implantat, das st\u00e4ndig Antik\u00f6rper direkt im Gehirn aussch\u00fcttete. Das Virus war so aggressiv und vermehrte sich so rasant, dass es nicht ausreichte, das Gegenmittel ein- oder zwei Mal zu verabreichen \u2026 wollte die Regierung dem Volk zumindest glaubhaft machen.<\/p>\n<p>Tel-Maro wusste es inzwischen besser.<\/p>\n<p>Das erste Mal, als die Visionen ihn heimsuchten, hatte er in seinem B\u00fcro gesessen und sich gelangweilt, w\u00e4hrend der Rechner seinen Programmcode kompilierte. Er las einen Zeitungsartikel \u00fcber die bevorstehende Volksz\u00e4hlung und kam zu dem Schluss, dass die Erfassung von Gesundheitsdaten eigentlich eine Unversch\u00e4mtheit sei. Da fragte er sich, ob sein Volk ohne Zentralregierung nicht wesentlich besser klargekommen war.<\/p>\n<p>Just in diesem Augenblick verwandelten sich seine H\u00e4nde in ein Gewimmel ekliger W\u00fcrmer, die \u00fcber die Tastatur seines Computers krabbelten, w\u00e4hrend er fassungslos auf seine blutigen Handst\u00fcmpfe starrte.<\/p>\n<p>DochpPl\u00f6tzlich, von einem Moment auf den anderen waren seine H\u00e4nde wieder normal, die W\u00fcrmer verschwunden. Er verlie\u00df in Panik seinen Arbeitsplatz und suchte das n\u00e4chste Gesundheitszentrum auf, um sein Implantat \u00fcberpr\u00fcfen zu lassen.<\/p>\n<p>Tel-Maro hatte mit niemandem \u00fcber diese Vision gesprochen, noch nicht einmal mit seiner Frau. Das Virus hatte kurzfristig zugeschlagen, aber nun war er au\u00dfer Gefahr, versicherten ihm die \u00c4rzte. Es gab also keinen Grund, Al-Quinnara zu beunruhigen. Als angehende Neurochirurgin kannte sie sich mit den T\u00fccken dieser Hirnseuche bestens aus und w\u00fcrde ihn so lange beknien, bis er sich mindestens eine Nacht zur Beobachtung ins Krankenhaus einweisen lie\u00df.<\/p>\n<p>Nun ja, man konnte es auch \u00fcbertreiben \u2026<\/p>\n<p>Eines Abends rief sie an und erz\u00e4hlte voller Aufregung von ihrer ersten Hirnoperation, die sie eigenh\u00e4ndig durchgef\u00fchrt hatte. Es war nicht geplant, dass sie als Assistenz\u00e4rztin alle Entscheidungen treffen musste, aber dank der unerwarteten Krankheit ihres Chefs blieb ihr nichts weiter \u00fcbrig.<\/p>\n<p>Als sie sich am Abend in ihrem Lieblingslokal trafen, um zu feiern, verriet ihre Miene jedoch nichts von Gl\u00fcck, Erleichterung oder Stolz. Im Gegenteil: Al-Quinnara wirkte seltsam angespannt, so als w\u00fcrde sie ein belastendes Geheimnis mit sich herumtragen. Doch was mochte sie belasten, wenn der Tumor ihres Patienten vollst\u00e4ndig entfernt werden konnte?<\/p>\n<p>Tel-Maro sah erneut vor seinem geistigen Auge, wie sich Al-Quinnaras Finger verkrampften und die Pupillen in ihren gro\u00dfen, goldenen Augen sich zu senkrechten schwarzen Schlitzen verengten. \u201eIch musste zuerst das Hirngewebe untersuchen, um festzustellen, wie weit der Tumor inzwischen fortgeschritten war. Zuerst gelang es mir nicht, die kranken Zellen eindeutig identifizieren, und ich war kurz vorm Verzweifeln, bis ich herausfand, dass das Implantat meine Scanergebnisse verf\u00e4lscht.\u201c S\u00e4mtliche Muskeln ihres K\u00f6rpers schienen sich anzuspannen, bevor sie nach einer kleinen Pause fortfuhr. \u201eAlso habe ich es deaktiviert.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDu hast WAS?\u201c, fragte Tel-Maro mit gro\u00dfen Augen.<\/p>\n<p>\u201eNur f\u00fcr den Zeitraum der Operation\u201c, beschwichtigte ihn seine Frau. \u201eMein Patient w\u00e4re dem Virus niemals so lange ausgesetzt gewesen, dass es dauerhafte Sch\u00e4den verursacht h\u00e4tte \u2013 aber der Tumor h\u00e4tte das garantiert.\u201c<\/p>\n<p>Tel-Maro nahm ihre H\u00e4nde und l\u00e4chelte aufrichtig. \u201eIch bin stolz auf dich!\u201c<\/p>\n<p>Doch ihre Finger zitterten unter seinem Griff. \u201eDer Patient ist gerettet, ja \u2026 aber was merkw\u00fcrdig war \u2026\u201c Al-Quinnara stockte, ihr Gesicht verzerrte sich unter Schmerzen und sie massierte sich die Schl\u00e4fen mit allen acht Fingern.<\/p>\n<p>\u201eWas hast du?\u201c, fragte er besorgt.<\/p>\n<p>\u201eNichts, nur Kopfschmerzen\u201c, erwiderte sie schnell.<\/p>\n<p>Tel-Maro ahnte, dass mehr dahinter steckte. \u201eBist du sicher?\u201c, hakte er nach.<\/p>\n<p>\u201eNachdem das Implantat mehrere Stunden inaktiv war, h\u00e4tte sein Hirngewebe mit Viren \u00fcberflutet sein m\u00fcssen \u2026 aber da war nichts\u201c, brachte sie noch heraus \u2013 bevor sie mit einem gehetzten Blick von Stuhl aufsprang.<\/p>\n<p>\u201eNein! Maro, bitte tu das nicht!\u201c, flehte sie.<\/p>\n<p>\u201eWas soll ich nicht tun?\u201c, fragte ihr Mann irritiert. \u201eWas ist heute nur los mit dir?\u201c<\/p>\n<p>Sie antwortete nicht, sondern rannte Hals \u00fcber Kopf aus dem Lokal.<\/p>\n<p>Ein paar G\u00e4ste drehten sich neugierig um, wandten sich jedoch gleich wieder ihrem Essen und ihrer Gesellschaft zu. Hier auf Prelucidar war man an Leute gew\u00f6hnt, die sich pl\u00f6tzlich seltsam verhielten. Man schob es auf die Seuche.<\/p>\n<p>Tel-Maro folgte seiner Frau, doch als er vor die T\u00fcr trat, konnte er sie nirgendwo entdecken. Die erste, hellere der beiden Sonnen war bereits untergegangen und der Himmel \u00e4nderte seine Farbe von hellgelb zu purpur und orange. Bald w\u00fcrde die Nacht beginnen, er hatte also nicht mehr viel Zeit. Die N\u00e4chte auf Prelucidar waren selten, aber gef\u00fcrchtet. Nicht nur wegen der nachtaktiven Raubtiere, die an den Stadtgrenzen auf Beute lauerten. Auch viele Prelucidarner drehten w\u00e4hrend der dunklen Stunden durch.<\/p>\n<p>\u201eAl-Quinnara?\u201c, rief er laut und sah sich in alle Richtungen um.<\/p>\n<p>Er entdeckte den Saum ihres silbergrauen Kleides zwischen dunkelvioletten Grashalmen und rot leuchtenden Bodendeckern mit fleischigen dreieckigen Bl\u00e4ttern. Die pilz\u00e4hnlichen lila Talmak-Pflanzen wuchsen im Garten vor dem Lokal meterhoch.<\/p>\n<p>Zwischen ihren St\u00e4mmen lag Al-Quinnara. Reglos. Besinnungslos.<\/p>\n<p>\u201eQuinnara! Beim Geist des Universums \u2026 tu mir das nicht an!\u201c, murmelte Tel-Maro.<\/p>\n<p>Nachdem er erleichtert festgestellt hatte, dass sie noch lebte, trug er sie eigenh\u00e4ndig ins n\u00e4chste Krankenhaus.<\/p>\n<p>Und dort lag sie immer noch: Meistens im Koma, manchmal ans Bett gefesselt, weil sie in ihren Horrorvisionen trat und schrie. Ihre wenigen klaren Momente bekam Tel-Maro viel zu selten mit.<\/p>\n<p>Doch als sie ihm sagte, er d\u00fcrfe nicht immer glauben, was er sah, war ihre Stimme klar und eindringlich wie nie. Vor allem d\u00fcrfe er den \u00c4rzten nicht trauen, die w\u00fcrden ihr nicht helfen k\u00f6nnen. Oder nicht helfen wollen.<\/p>\n<p>Aber Tel-Maro lie\u00df nicht locker. Schlie\u00dflich war er ein hochtalentierter Informatiker und hatte in seiner Jugend als Computerhacker das planetare Datennetz unsicher gemacht. Nach tagelangen Recherchen, die seinen Alltag in einen bizarren Horrortrip verwandelten, lie\u00df er sich auf unbestimmte Zeit krankschreiben, bis er schlie\u00dflich seinen Job verlor.<\/p>\n<p>Das h\u00e4tte ihn in seinem fr\u00fcheren Leben, vor Al-Quinnaras Zusammenbruch, ziemlich aus der Bahn geschleudert \u2013 doch nun sch\u00fcttelte er sich und arbeitete wie besessen weiter an der L\u00f6sung des R\u00e4tsels um die Krankheit seiner Frau \u2026 die Krankheit des gesamten Volkes. Er war gut, einer der besten in seiner ehemaligen Firma \u2013 er w\u00fcrde eine neue Stelle finden.<\/p>\n<p>Die K\u00fcndigung war jedenfalls nicht der Grund, weshalb er kein Tageslicht durch seine Fenster lie\u00df und trotzdem kaum schlafen konnte \u2026 weshalb er manchmal am liebsten vom h\u00f6chsten Geb\u00e4ude der Stadt gesprungen w\u00e4re, nur um seinem Elend endlich ein Ende zu setzen.<\/p>\n<p>Zweimal hatte sich der Boden unter ihm in Treibsand verwandelt. Einmal war er in seinem Schlafzimmer \u00fcber eine verst\u00fcmmelte Leiche gestolpert. Ein anderes Mal war er Zeugin geworden, wie Al-Quinnaras Mutter und Schwester mit K\u00fcchenmessern aufeinander einstachen, was leider nicht g\u00e4nzlich weit hergeholt war. Er selbst war jedoch unf\u00e4hig gewesen, sich zu r\u00fchren &#8211; geschweige denn, einzuschreiten.<\/p>\n<p>Mit der Zeit erkannte er ein System in diesem Wahnsinn. Es konnte kein Zufall sein, dass er immer dann von Horrorvisionen geplagt wurde, wenn er etwas Verbotenes tat, einen subversiven Gedanken hegte oder auf die Regierung schimpfte.<\/p>\n<p>Die Implantate dienten l\u00e4ngst nicht mehr zur Bek\u00e4mpfung der Hirnseuche. Falls es je eine Seuche gegeben hatte.<\/p>\n<p>In dieser dunklen, qualvollen Zeit gelang es Tel-Maro, einige hochwichtige Passw\u00f6rter knacken, geheime Archivdokumente entschl\u00fcsseln \u2013 und die Beweise f\u00fcr seine Theorie verdichteten sich zu einem Szenario des Schreckens.<\/p>\n<p>Er wurde nat\u00fcrlich nicht aus allen Informationen schlau. So fragte er sich zum Beispiel, was das f\u00fcr ein \u201eDominion\u201c war, dem die fr\u00fchere Regierung von Prelucidar nicht beitreten wollte. Doch er ahnte, dieses Puzzleteil k\u00f6nnte wichtig sein.<\/p>\n<p>Das einzige, was ihm fehlte, waren Leute, mit denen er sein Wissen teilen konnte. Er fand vage Hinweise auf eine Widerstandsbewegung. M\u00fctter, die ihre Kinder im Dschungel zur Welt brachten, damit sie keine Implantate bekamen. Religi\u00f6se Einsiedler, die sich mithilfe purer Meditation von den schrecklichen Visionen befreiten.<\/p>\n<p>Sie waren die Hoffnung, an die er sich klammerte, um nicht durchzudrehen.<\/p>\n<p>Und Al-Quinnara.<\/p>\n<p>Als er wieder einmal aus einem von Alptr\u00e4umen zerfetzten Schlaf erwachte, beugte sich seine Frau \u00fcber ihn.<\/p>\n<p>Sie war so sch\u00f6n, wie er sie in Erinnerung behalten wollte. Kein Vergleich mit der ausgemergelten Gestalt im Krankenhausbett.<\/p>\n<p>Sie streichelte sein Gesicht und l\u00e4chelte.<\/p>\n<p>Tel-Maro versteifte sich. Bestimmt w\u00fcrde sie gleich vor seinen Augen verwesen, in Flammen aufgehen oder ein schrecklich missgebildetes Baby zur Welt bringen. Das waren mit Abstand die schlimmsten Phantasien, die das verdammte Implantat ihm vorgaukelte.<\/p>\n<p>\u201eWie \u2026 wie kommst du hier her?\u201c, fragte er gepresst. \u201eWie kann es sein, dass du pl\u00f6tzlich wieder gesund bist?\u201c<\/p>\n<p>\u201eSch \u2026\u201c Sie legte einen Finger auf seine Lippen.<\/p>\n<p>\u201eDu bist nicht real!\u201c Er kniff die Augen zusammen. \u201eVerdammt, warum qu\u00e4lt mich dieses Ding in meinem Kopf so!\u201c Diesmal schrie er fast.<\/p>\n<p>\u201eBald ist alles vorbei. Ich hole dich hier raus\u201c, wisperte sie.<\/p>\n<p>Tel-Maro seufzte. \u201eDas w\u00fcrde ich zu gern glauben.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch wei\u00df es\u201c, gab Al-Quinnara zur\u00fcck. \u201eAlles wird gut. Die Verbindung lebt.\u201c<\/p>\n<p>Die Verbindung \u2026 gr\u00fcbelte Tel-Maro. Ein eigenartiger Ausdruck daf\u00fcr, dass Al-Quinnara und er seit vier Zyklen ein Paar waren.<\/p>\n<p>Irgendwas missfiel ihm an ihrem L\u00e4cheln, aber er konnte es nicht benennen.<\/p>\n<p>\u201eWas haben sie nur mit dir gemacht?\u201c, murmelte er traurig. \u201eFalls du es \u00fcberhaupt bist \u2026\u201c<\/p>\n<p>Es war nicht fair, doch pl\u00f6tzlich wollte er nur noch weg von dieser Person, die mit seiner Frau nichts als das \u00c4u\u00dfere gemeinsam hatte.<\/p>\n<p>Aufspringen und dann schnell raus hier \u2026<\/p>\n<p>Er kam nicht dazu. Fassungslos beobachtete er, wie sich Al-Quinnaras Arme in eine gallertartige, schimmernd goldbraune Substanz verwandelten. Lebendiger Schleim, der \u00fcber seine Brust und seinen Hals kroch und sein Gesicht bedeckte, bis er nicht mehr atmen konnte.<\/p>\n<p>Ihre Schenkel hielten seine Taille im Klammergriff, dr\u00fcckten ihn gegen das Bett,<\/p>\n<p>Wieder nur so ein verfluchter Horrortrip, dachte er trotzig.<\/p>\n<p>Seine zwei Herzen h\u00e4mmerten um die Wette, die F\u00fc\u00dfe kickten ins Leere, die Arme ruderten in der Luft.<\/p>\n<p>Dann wurde alles schwarz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>1. Kapitel: Gamma-Quadrant, Tag 62<\/strong><\/p>\n<p>\u201eHerein\u201c, sagte Captain Lairis mit einem missmutigen Unterton, als der T\u00fcrmelder summte.<\/p>\n<p>Ihr Erster Offizier, Commander Jerad Kayn, betrat in Begleitung des Chefingeniers, Lieutenant Marc van de Kamp den Bereitschaftsraum der USS Defender und packte einen Stapel von Datenpadds auf den Schreibtisch der Kommandantin.<\/p>\n<p>Lairis l\u00e4chelte schief. \u201eIch sehe, Sie haben Arbeit f\u00fcr mich. Hoffentlich was Interessantes.\u201c<\/p>\n<p>Kayn l\u00e4chelte zur\u00fcck. \u201eDeine Definition von interessant bedeutet in vielen andern Sprachen \u201alebensgef\u00e4hrlich\u2018, Ilana.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUns kann ja nichts passieren\u201c, gab sie zur\u00fcck.<\/p>\n<p>\u201eSolange wir getarnt sind, nicht.\u201c Marcs Tonfall lie\u00df ein gro\u00dfgeschriebenes ABER in der Luft h\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Mit finsterer Miene blickte der junge Mann aus dem Fenster. Der Bereitschaftsraum des Captains war einer der wenigen R\u00e4ume auf der Defender, die \u00fcberhaupt eins hatten.<\/p>\n<p>Die Aufkl\u00e4rungsmission im Raum des Dominion war f\u00fcr drei Monate angesetzt, mittlerweile flog das Schiff seit 62 Tagen durch den Gamma-Quadranten. In diesen zwei Monaten hatte die Crew keinen Fu\u00df auf einen Planeten gesetzt, die Stimmung war gereizt, eine allgemeine Anspannung zerrte an den Nerven der gesamten Crew. Hinzu kamen immer mehr Indizien f\u00fcr eine Aufr\u00fcstung der Dominion-Flotte und beunruhigenden Truppenbewegungen \u2026<\/p>\n<p>\u201eIch m\u00f6chte ganz gewiss keine Schlacht als Abwechslung\u201c, stellte Ilana richtig. \u201eNur mal raus aus diesem sterilisierten Blechsarg!\u201c Die Bajoranerin sch\u00fcttelte den Kopf. Beim Widerstand hatte sie sich angew\u00f6hnt, unter freiem Himmel zu schlafen, so dass ihr die k\u00fcnstliche Umgebung manchmal fast unertr\u00e4glich war.<\/p>\n<p>Jerad sah sie mit gro\u00dfen Augen an. \u201eEin Captain, der so etwas \u00fcber sein Schiff sagt, sollte dringend den Counselor aufsuchen\u201c, scherzte er. \u201eAber ich verstehe, was du meinst.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWir sind kein Tiefenraum-Forschungsteam, keiner von uns war so lange ohne Unterbrechung an Bord! Dabei ist hier alles so keimfrei und klimatisiert, dass ich die W\u00e4nde hochgehen k\u00f6nnte! In solchen Momenten kriege ich Lust, einen K\u00fcbel Dreck auf meinem Teppich auszukippen \u2013 aber dieses dumme Schiff hat ja die Angewohnheit, sich drei Mal pro Tag selbst zu reinigen &#8230; Drei Mal am Tag! Sei ehrlich \u2013 das ist doch nicht mehr nett!\u201c, schimpfte sie weiter. \u201eK\u00fcnstliche Luft, k\u00fcnstliches Essen, k\u00fcnstliche Landschaften auf den Holodeck \u2026 nach dem Krieg haben wir sicher auch ein paar k\u00fcnstliche Organe, dann passt wenigstens alles zusammen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDu scheinst dir ja sehr sicher zu sein, dass es zum Krieg mit dem Dominion kommt\u201c, bemerkte Jerad mit einem Stirnrunzeln.<\/p>\n<p>\u201eNach den Daten, die wir in letzter Zeit gesammelt haben, f\u00fcrchte ich, es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sie zum Marsch auf den Alpha-Quadranten blasen\u201c, entgegnete Lairis d\u00fcster.<\/p>\n<p>\u201eEin paar Mitglieder der Crew sind der Meinung, wir sollten die Gelegenheit zu einem Erstschlag nutzen. Du wei\u00dft schon: zur Heimatwelt der Wechselb\u00e4lger fliegen, ein paar Antimaterie-Bomben abwerfen \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eErz\u00e4hl mir nicht, ihr habt heute rausgefunden, wo sich die neue Heimat oder Wechselb\u00e4lger befindet\u201c, erwiderte sie sp\u00f6ttisch und deutete dabei auf den neuen Stapel mit PADDs. \u201eIch kann mir schon denken, wer solche abstrusen Vorschl\u00e4ge macht.\u201c Sie runzelte die Stirn. \u201eGanz abgesehen davon, dass ich keinen V\u00f6lkermord unterst\u00fctze, ist die Sache schon mal gr\u00fcndlich nach hinten losgegangen! Obwohl der Obsidianische Orden und der Tal\u2019Shiar \u00fcber ein \u201apaar\u2018 mehr Schiffe verf\u00fcgt haben, als wir.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch w\u00fcrde das nicht als ernsthaften Vorschlag bezeichnen, ich habe nur ein Gespr\u00e4ch am Mittagstisch aufgeschnappt. Nat\u00fcrlich war sofort Ruhe, als ich vorbei kam.\u201c<\/p>\n<p>Lairis seufzte. Die letzten zwei Monate im Gamma-Quadranten hatten leider nicht im Geringsten dazu beigetragen, dass sich die Crew des fr\u00fcheren Captains Edwardson und Lairis\u2018 Offiziere st\u00e4rker zusammenrauften.<\/p>\n<p>\u201eIch sch\u00e4tze, sie geben mir die Schuld, dass wir \u00fcberhaupt auf diese Mission geschickt wurden\u201c, meinte Jerad. Immerhin war er derjenige gewesen der die Zerst\u00f6rung der Defender vorget\u00e4uscht und die Tarnvorrichtung illegal verwendet hatte, um nicht in den Krieg zwischen Cardassianern und Klingonen hineingezogen zu werden.<\/p>\n<p>Marc wandte sich vom Fenster ab und schmunzelte. \u201eCaptain, wenn Sie sich so sehr nach Dreck sehnen, kann ich Ihnen gern Misty ausborgen. Im Reinigungsprogramm des Schiffes scheint n\u00e4mlich Katzenkotze nicht vorgesehen zu sein.\u201c<\/p>\n<p>Lairis grinste zur\u00fcck. \u201eDann sollte das Programm \u00fcberarbeitet werden.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDazu werde ich keine Zeit haben\u201c, gab der Ingenieur d\u00fcster zur\u00fcck.<\/p>\n<p>\u201eWas wollen Sie damit andeuten?\u201c, fragte die Kommandantin alarmiert.<\/p>\n<p>\u201eEin Emitter der Tarnvorrichtung ist gestern f\u00fcr zehn Sekunden ausgefallen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWir waren also zehn Sekunden ungetarnt?\u201c, hakte sie scharf nach. Mitten in feindlichem Gebiet konnten selbst zehn Sekunden ungeahnte Folgen haben.<\/p>\n<p>\u201eIch konnte den Ausfall kompensieren\u201c, beruhigte sie Lieutenant van de Kamp. \u201eAllerdings f\u00fcrchte ich, die Tarnvorrichtung f\u00e4ngt bald richtig an, zu zicken. Sie ist nun mal nicht f\u00fcr wochenlangen Dauergebrauch ausgelegt.\u201c<\/p>\n<p>Lairis unterdr\u00fcckte einen h\u00f6chst ordin\u00e4ren Fluch. \u201eVersuchen Sie, eine L\u00f6sung zu finden. Fall es nicht gelingt, die Tarnvorrichtung zu stabilisieren, brechen wir die Mission ab\u201c, entschied sie.<\/p>\n<p>\u201eIch f\u00fcrchte, dann kriegen wir \u00c4rger\u201c, gab Jerad zu bedenken. \u201eWir haben ausdr\u00fcckliche Order f\u00fcr eine drei-monatige Scoutmission im Gamma-Quadranten!\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie Admirals m\u00f6gen ja zuweilen ein bisschen unflexibel sein, aber es ist bestimmt nicht in deren Interesse, dass wir vier Wochen ohne Tarnung durch Dominiongebiet fliegen!\u201c<\/p>\n<p>\u201eDa hast du wohl Recht\u201c, lenkte Jerad ein und Marc nickte zustimmend.<\/p>\n<p>\u201eUnd welche \u2026\u201c Sie biss sich auf die Unterlippe. \u201eHerausforderungen erwarten uns sonst noch?\u201c, fragte Lairis mit Blick auf die Berichte, die ihr Erster Offizier \u00fcberbracht hatte.<\/p>\n<p>\u201eEine neue Dominion-Flottenwerft im Argales-System, verst\u00e4rkte Jem\u2019Hadar-Pr\u00e4senz im Grenzbereich von Sektor 82 \u2026\u201c<\/p>\n<p>Als er seinen leeren Kaffeebecher auf ihrem Schreibtisch abstellen wollte, warf sie ihm einen vernichtenden Blick zu. .<\/p>\n<p>\u201eWas ist?\u201c, fragte er unschuldig.<\/p>\n<p>\u201eMein Schreibtisch ist keine Geschirrablage!\u201c, wies sie ihn zurecht. \u201eSeit du vereinigt wurdest, l\u00e4sst du \u00fcberall deine dreckigen Tassen herum stehen! Ich f\u00fcrchte, du w\u00fcrdest die Dinger sogar unabgewaschen zur\u00fcck in den Schrank stellen, wenn es keine Replikator g\u00e4be! Egal, welcher ehemalige Wirt daf\u00fcr verantwortlich ist \u2013 ruf ihn bitte zur Ordnung!\u201c<\/p>\n<p>\u201eParim, f\u00fcrchte ich.\u201c Der Trill kratzte sich verlegen am Hinterkopf.<\/p>\n<p>\u201eIch sch\u00e4tze, Parim hatte Dienstboten, die ihm alles hinterher ger\u00e4umt haben\u201c, bemerkte die Kommandantin ironisch.<\/p>\n<p>\u201eDa ist was dran\u201c, r\u00e4umte er ein. \u201eAber falls es dich tr\u00f6stet: ab und zu bricht auch die Aila in mir durch, dann kriege ich einen Putzfimmel oder sortiere meine Datenpads nach Farbe und Gr\u00f6\u00dfe.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSie k\u00f6nnen sich gern meine PADDS vornehmen, sobald Aila mal wieder hervorschaut\u201c, scherzte Marc. \u201eAber danach lassen Sie bitte Vijana heraus, damit sie auch nach Inhalt sortiert werden.\u201c<\/p>\n<p>Ein kleines L\u00e4cheln zuckte um die Lippen des Captains. Sie war \u00fcber die fr\u00fcheren Wirte ihres Ersten Offiziers bestens im Bilde, daher wusste sie auch, dass Vijana Aila Kayns Chefingnieurin gewesen war und nach einem Unfall den Symbionten ihres Captains \u00fcbernommen hatte.<\/p>\n<p>\u201eSie k\u00f6nnen wegtreten\u201c, befahl sie den M\u00e4nnern.<\/p>\n<p>Van de Kamp nickte und verlie\u00df den Raum<\/p>\n<p>Jerad wandte sich noch einmal um und schmunzelte. \u201eIlana, falls du dich ein bisschen von der Arbeit ablenken willst \u2013 wir treffen uns nach Feierabend auf dem Holodeck und r\u00fcsten f\u00fcr die gro\u00dfe Schlacht gegen das Imperium.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd das soll mich von meiner Arbeit ablenken?\u201c Lairis hob die Augenbrauen. \u201eDas klingt ganz nach meiner Arbeit.\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa, aber mit Lichtschwertern!\u201c Jerad grinste.<\/p>\n<p>\u201eLass mich raten: Einer dieser Mottenkisten-Fantasy-Romane von Prescott.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUrspr\u00fcnglich war es ein Kinofilm, aber mit allem anderen liegst du richtig.\u201c Jerad sah sie treu an. \u201eGlaub mir, das macht einen Riesenspa\u00df und du w\u00e4rst eine Augenweide als Prinzessin Leia.\u201c Er verschwieg geflissentlich die bevorstehende Szene mit dem Monsterwurm der Kette und dem Sklavinnenoutfit. Sicher konnten sie das weglassen, obwohl Prescott entt\u00e4uscht w\u00e4re.<\/p>\n<p>\u201eUnd welche Helden in Strumpfhosen spielt ihr?\u201c, fragte Lairis mit skeptischer Miene.<\/p>\n<p>\u201eMarc w\u00e4re dein Bruder, Prescott dein Geliebter und \u2026\u201c Nun beugte er sich herab und raunte ihr mit grollender Stimme ins Ohr. \u201eICH BIN DEIN VATER!\u201c<\/p>\n<p>Sie fuhr in gespieltem Entsetzen zur\u00fcck. \u201eHast du noch ein paar Berichte f\u00fcr mich? Am besten solche, die mich bis morgen fr\u00fch besch\u00e4ftigen.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die U.S.S. Defender glitt majest\u00e4tisch durch das schwarze All. Die Gegend schien friedlich, ja geradezu ausgestorben. Eine geisterhafte Ruhe, die F\u00e4hnrich Vixpan fr\u00f6steln lie\u00df. Nichts deutete darauf hin, dass sie sich mitten im Gebiet des Dominion befanden. Nichts bis auf dieses unheilvolle Kribbeln in Vixpans Magengrube. Ein Gef\u00fchl, als w\u00fcrde man nachts durch einen dunklen, einsamen Park laufen &#8230;<\/p>\n<p>Vixpans Fell str\u00e4ubte sich leicht. Selbst, als er die Offiziersmesse betrat, wurde er das beklemmende Gef\u00fchl nicht los. Es nahm sogar zu, was vielleicht daran lag, dass der Raum mit Offizieren und Crewmen aus Edwardsons alter Truppe bev\u00f6lkert war. Captain Edwardson, der fr\u00fchere Kommandant der Defender, war ein loyaler Anh\u00e4nger von Admiral Layton gewesen. Das w\u00fcrde fr\u00fcher oder sp\u00e4ter zum Problem werden. Lairis hatte nach der \u00dcbernahme der Defender zwar ihre F\u00fchrungsoffiziere selbst aussuchen k\u00f6nnen, jedoch nicht die gesamte Crew.<\/p>\n<p>Vixpan ging diesen Leuten aus dem Weg, wann immer es m\u00f6glich schien. Er war ein ziemlich harmonies\u00fcchtiges Lebewesen und die Sticheleien gingen ihm leicht unter den Pelz.<\/p>\n<p>Daher schritt er stur geradewegs auf den Replikator zu, bestellte sich einen gro\u00dfen Salat und blickte sich nach einem freien Platz um. Besser gesagt, nach einem freien Tisch. Freie Pl\u00e4tz gab es \u00fcberall, doch die Gesellschaft war nicht nach seinem Geschmack.<\/p>\n<p>Als sich einige Edwardson-Crewmen nach ihm umdrehten, tuschelten und hinter vorgehaltener Hand h\u00e4misch lachten, w\u00e4re er am liebsten im Galopp aus der Messe gefl\u00fcchtet. Den Salat konnte er auch in seinem Quartier essen.<\/p>\n<p>\u201eIch w\u00fcrde an deiner Stelle ordentlich kauen \u2013 sonst keimen die K\u00f6rner noch in deinem Magen und dir w\u00e4chst eines Tages ein Farn aus dem Hals\u201c, schnurrte ihm eine wohlbekannte Stimme ins Ohr.<\/p>\n<p>Vixpan drehte sich um und blickte direkt in ein ebenm\u00e4\u00dfiges Katzengesicht, bedeckt von schwarzem, seidigem Pelz.<\/p>\n<p>\u201eIch bin froh, dich zu sehen, M\u2019Rass\u201c, entgegnete er anstelle einer neckischen Antwort.<\/p>\n<p>F\u00e4hnrich M\u2019Rass geh\u00f6rte zu einer sechs Mann starken Abordnung von Wissenschaftlern, die f\u00fcr den Einsatz im Gamma-Quadranten auf der Defender stationiert waren. Das Sternenflottenkommando war zu dem Schluss gekommen, dass ein aus der Phase geschobenes Schiff, welches durch eine verbotene Region der Galaxis flog, neben milit\u00e4rischer Aufkl\u00e4rung auch einmalige Gelegenheiten zur Forschung bot.<\/p>\n<p>Vixpan bedauerte sehr, dass M\u2019Rass\u2019 Abordnung nur auf dreieinhalb Monate befristet war, denn die Caitianerin, deren Humor fast so schwarz war, wie ihr Fell, hatte sich schnell in sein Herz geschnurrt. Obwohl er \u2013 wie sie scherzhaft anmerkte \u2013 aussah wie etwas, das ihre Spezies in grauer Vorzeit gejagt und verspeist h\u00e4tte. \u201eWir \u201aPelztiere\u2018 m\u00fcssen zusammenhalten\u201c, erkl\u00e4rte sie. \u201eVielleicht schaffen sie ja eines Tages den Uniformenzwang f\u00fcr uns ab.\u201c<\/p>\n<p>Daran glaubte Vixpan nicht wirklich, dennoch war er froh, die Freundschaft der Caitianerin gewonnen zu haben.<\/p>\n<p>\u201eIch gehe nicht davon aus, dass ein repliziertes Samenkorn keimt\u201c, meinte er. \u201eAber wei\u00dft du, was mir fehlt? Gras! Richtiges, echtes Gras von einem richtigen, echten Planeten!\u201c Der Axanati blinzelte versonnen. \u201eSobald nach einem Au\u00dfeneinsatz die Flora als ungiftig eingestuft wurde, war es das Gr\u00f6\u00dfte, wenn Captain Lairis zu mir sagte: Gehen Sie grasen, F\u00e4hnrich. Sie haben es sich verdient.\u201c Vixpan meckerte leise und sehnsuchtsvoll. \u201eDen Geruch des Heus in die Nase steigen lassen \u2026 das Grasb\u00fcschel mit den Z\u00e4hnen packen, gen\u00fcsslich wiederk\u00e4uen \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eBei mir rufst du damit h\u00f6chstens einen W\u00fcrgreflex hervor\u201c, erwiderte die Caitianerin trocken.<\/p>\n<p>\u201eNicht nur bei dir, schwarze Miezekatze\u201c, mischte sich eine sp\u00f6ttische weibliche Stimme ein.<\/p>\n<p>Sie geh\u00f6rte einer menschlichen Sicherheitsoffizierin, die \u2013 wie sollte es auch anders sein \u2013 urspr\u00fcnglich von Captain Edwardson angeheuert worden war. Die junge Frau strich sich die kinnlangen blonden Haare hinter die Ohren und verzog betont angewidert das Gesicht. Ihre beiden Begleiter \u2013 ein blasser m\u00e4nnlicher Mensch, der erst im letzten Jahr die Akademie verlassen hatte, und ein Andorianer in Rang eines Lieutenant JG \u2013 tauschten vielsagende Blicke und grinsten.<\/p>\n<p>\u201eIhr h\u00e4ttet sehen sollen, wie der Ziegenbock letztens auf einem Briefing des Captains angaloppierte und ihm hing das Heu noch im Fell\u201c, l\u00e4sterte der Andorianer.<\/p>\n<p>\u201eEcht?\u201c, gluckste der junge, blasse Mann.<\/p>\n<p>\u201eWas hat der Captain dazu gesagt?\u201c, fragte die blonde Frau pikiert.<\/p>\n<p>\u201eNichts, nat\u00fcrlich\u201c, antwortete der Andorianer prompt. \u201eBei der Dame kann man wahrscheinlich nackt zum Briefing kommen und sie l\u00e4sst es durchgehen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas m\u00f6chte ich sehen\u201c, konterte die Blondine und musterte verstohlen den athletischen K\u00f6rper des Lieutenants.<\/p>\n<p>M\u2019Rass hatte im wahrsten Sinne des Wortes ihre Krallen ausgefahren, die Ohren angelegt und positionierte sich in Kampfstellung vor Vixpan. Der zierliche Axanati weckte unwillk\u00fcrlich ihren Besch\u00fctzerinstinkt. So gutm\u00fctig und wenig schlagfertig, wie er leider war, wirkte er auf Raubtiere wie diesen Andorianer und sein Gefolge wie das geborene Opfer. Im Moment versuchte er sich nicht anmerken zu lassen, wie sehr ihn die Spr\u00fcche verletzten, doch M\u2019Rass erkannte es an der Art, wie er seine Ohren h\u00e4ngen lie\u00df.<\/p>\n<p>\u201eWenn alle ordentlich ihre Arbeit machen, kann Ihnen das doch egal sein\u201c, fauchte sie.<\/p>\n<p>\u201eWer hat dich gefragt, K\u00e4tzchen?\u201c, kontere er abf\u00e4llig.<\/p>\n<p>\u201eWer hat irgendeinem von euch Wurstgesichtern erlaubt, uns zu duzen?\u201c, schoss die Caitianerin zur\u00fcck. Ihr Schwanz peitschte aufgeregt hin und her.<\/p>\n<p>\u201eM\u2019Rass, bitte \u2026\u201c Vixpan zupfte sie vorsichtig am Kragen, sie funkelte ihn aus goldenen Katzenaugen warnend an und fixierte sich dann wieder auf den Andorianer.<\/p>\n<p>Dieser n\u00e4herte sich ihr in drei Schritten und raunte gef\u00e4hrlich leise: \u201eWenn du meinst, dass du f\u00fcr den geh\u00f6rnten kleinen Feigling dort die Leibw\u00e4chterin spielen musst \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eDu kannst froh sein, dass wir diese Uniformen tragen und dass wir hier nicht auf Cait sind \u2026\u201c Auch M\u2019Rass Stimme war nicht viel mehr als ein Zischen. \u201eAber wenn du meinen Freund noch mal einen Feigling nennst, gibt es eine Sch\u00f6nheitsoperation!\u201c Mit diesen Worten hielt sie ihre messerscharfen Krallen drohend in Gesichtsh\u00f6he.<\/p>\n<p>\u201eFeigling\u201c geh\u00f6rte auf Cait zu den schlimmsten Beleidigungen nach \u201eHundesohn\u201c.<\/p>\n<p>Der Andorianer lachte abf\u00e4llig, doch seine Antennen bogen sich ruckartig nach innen \u2013 ein untr\u00fcglichen Zeichen, dass ihn die Dreistigkeit von M\u2019Rass langsam zur Wei\u00dfglut trieb. \u201eDu kannst froh sein, dass das hier kein Andorianisches Schiff ist \u2013 sonst w\u00fcrdest du l\u00e4ngst mit deinem Schwanz an einem L\u00fcftungsgitter h\u00e4ngen\u201c, grollte er.<\/p>\n<p>Seine beiden menschlichen Begleiter kicherten.<\/p>\n<p>Bevor M\u2019Rass etwas erwidern konnte, winkte er die zwei Ensigns heran und bemerkte befehlsgewohnt: \u201eGehen wir. Hier stinkt\u2018s nach Ziegenstall.\u201c<\/p>\n<p>Die h\u00f6heren Gehirnfunktionen der Caitianerin setzten in diesem Moment aus. Adrenalin schoss durch M\u2019Rass\u2018 gesamten K\u00f6rper. Ihre Muskeln spannten sich an, verh\u00e4rteten sich, getrieben von einem archaischen Instinkt, der die Caitianer in alter Zeit zu gef\u00e4hrlichen J\u00e4gern und Kriegern machte.<\/p>\n<p>Als sie den Andorianer fauchend ansprang, war ihr K\u00f6rper ein schwarzer pelziger Torpodo, der \u2013 von einer unsichtbaren Macht abgeschossen \u2013 den Gegner mit der vollen Wucht der \u00dcberraschung traf.<\/p>\n<p>Der Andorianische Lieutenant taumelte r\u00fccklings gegen den Replikator, Vixpan und eine junge Frau in blauer Uniform sprangen mit einem leisten Schrei aus dem Weg.<\/p>\n<p>Nach und nach n\u00e4herten sich die \u00fcbrigen Mittagsg\u00e4ste mit teils neugierigen, teils besorgten Mienen. Die beiden menschlichen Freunde des Andorianers riefen die Sicherheit, nachdem die Frau den jungen Mann am Kragen gepackt hatte, als er sich mit hochrotem Kopf in die Pr\u00fcgelei st\u00fcrzen wollte.<\/p>\n<p>Die Antennen des Andorianers vollf\u00fchrten einen wilden Tanz, der unerwartete Zusammenprall mit M\u2018Rass presste ihm zun\u00e4chst die Luft aus den Lungen. Doch er fing sich schnell, packte die Caitianerin beim Hals und schleuderte sie zu Boden. Ihre Krallen, die sich in seiner Uniform verankert hatten, rissen ihm das Oberteil vom K\u00f6rper.<\/p>\n<p>Aber M\u2019Rass\u2018 Niederlage w\u00e4hrte nicht l\u00e4nger als eine Sekunde \u2013 schon schnellte die Caitianerin wieder vor. Augenblicke sp\u00e4ter w\u00e4lzte sich ein blau-schwarzes Kn\u00e4uel knurrend und fauchend am Boden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenige Minuten zuvor vorher sa\u00dfen Jeremy Prescott und Marc van de Kamp noch bei Sandwiches und Cola in Prescotts B\u00fcro und genossen ihre Mittagspause.<\/p>\n<p>\u201eWei\u00dft du, was ich letzte Nacht getr\u00e4umt habe?\u201c, nuschelte Prescott zwischen zwei Bissen.<\/p>\n<p>\u201eWas denn?\u201c, fragte Marc ohne gro\u00dfes Interesse.<\/p>\n<p>\u201eIch sa\u00df in meinem Quartier und habe gelesen. Irgendwie bekam ich Appetit auf ein K\u00fchles Blondes. Ein richtiges altmodisches Bier aus der Flasche. Also hab ich mir eins repliziert, \u00f6ffnete die Flasche und darin schwamm ein \u2013 halt dich fest \u2013 ein lebendes Guppy.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEin <em>Guppy<\/em>?!\u201c, van de Kamp grinste.<\/p>\n<p>\u201eJa, ein Guppy, ein <em>Lebistes reticulatus<\/em>, ein kleines Fischlein mit einem h\u00fcbschen bunten Schwanz.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch wei\u00df, was ein Guppy ist\u201c, entgegnete Marc. \u201eWobei mir der lateinische Name nicht eingefallen w\u00e4re. Hut ab!\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch hatte mal versucht, eine Meeresbiologin zu beeindrucken.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAch so.\u201c Marc warf seinem Freund einen vielsagenden Blick zu. \u201eUnd was hast du mit dem Fisch gemacht?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIn ein Glas mit sauberem Wasser gespuckt, damit er sich von seiner Alkoholvergiftung erholen kann.\u201c Prescott l\u00e4chelte schief. \u201eWas wohl Doktor Freud dazu sagen w\u00fcrde?\u201c<\/p>\n<p>Marc erwiderte sein Grinsen. \u201eIst doch klar: Alle l\u00e4nglichen Objekte symbolisieren einen Penis.\u201c<\/p>\n<p>Prescott fuhr in gespielter Emp\u00f6rung hoch. \u201eWillst du damit sagen, mein Penis hat die Gr\u00f6\u00dfe eines Guppy?\u201c<\/p>\n<p>Bevor seinem Freund eine angemessene Antwort einfiel, ging der Sicherheitsalarm los.<\/p>\n<p>\u201eBin schon unterwegs\u201c, verk\u00fcndete Prescott. Er lie\u00df die Reste seines Essens stehen, \u00fcberpr\u00fcfte schnell die Einstellung seines Phasers und spurtete los.<\/p>\n<p>Van de Kamp hatte M\u00fche, ihm zu folgen. Eigentlich h\u00e4tte er Prescott nicht folgen m\u00fcssen, schlie\u00dflich war er kein Sicherheitsoffizier \u2013 aber er war einfach neugierig.<\/p>\n<p>Sicherheitsalarm aus der Offiziersmesse? Wie konnte es dazu kommen?<\/p>\n<p>Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Eindringling an Bord gelangen konnte, schien verschwindend gering, solange die Defender getarnt war.<\/p>\n<p>Also die eigene Crew. Er hatte geahnt, dass es eines Tage soweit kommen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Als sie sich einen Weg durch die ratlose Menge vor dem Replikator in der Messe bahnten, fiel Marcs Blick auf eine Caitianerin, die mit ihren Krallen auf einen Andorianer aus Prescotts Truppe einhieb. Dem Mann gelang es meistens, blitzschnell auszuweichen und seinerseits mit den F\u00e4usten auszuteilen.<\/p>\n<p>\u201eLieutenant Tharev?\u201c, stie\u00df Prescott fassungslos hervor, als er seinen zweiten Stellvertreter erkannte.<\/p>\n<p>\u201eTja, stell dich nie zwischen einen Caitianer und sein Essen\u201c, gab Marc trocken hinzu.<\/p>\n<p>Prescott nahm ihn gar nicht wahr. Mit Hilfe einiger anderer Sicherheitsoffiziere gelang es schlie\u00dflich, die beiden \u201eStreith\u00e4hne\u201c auseinander zu rei\u00dfen und jeden einzeln gegen die Wand zu dr\u00fccken.<\/p>\n<p>\u201eZum Kuckuck, ihr seid Sternenflottenoffiziere und keine Waldschrate von Kolonieplaneten Absurdistan!\u201c, explodierte Prescott inmitten der unnat\u00fcrlichen Stille nach dem Kampfgeschrei. \u201eKann mir jemand verraten, was dieses Theater soll?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDieses tollw\u00fctige Katzenvieh wollte mich in St\u00fccke rei\u00dfen\u201c, brachte der Andorianer m\u00fchsam heraus. Er blutete aus mehreren Kratzwunden, seine Antennen waren soweit nach innen gebogen<\/p>\n<p>, dass sie sich fast verknoteten.<\/p>\n<p>M\u2019Rass sagte gar nichts, sie atmete nur schwer. Ihr Fell war aufgeplustert, die Schnurrhaare gestr\u00e4ubt, die Ohren angelegt. Ihr Schwanz peitschte, ihr Blick war wild und von keinerlei Vernunft getr\u00fcbt.<\/p>\n<p>Vixpan blickte besch\u00e4mt von einem zum Anderen.<\/p>\n<p>\u201eIn mein B\u00fcro \u2013 alle beide!\u201c, ordnete Prescott im Kasernenton an.<\/p>\n<p>Die tuschelnde, raunende Menge von Schaulustigen zerstreute sich langsam.<\/p>\n<div style=\"padding: 10px 0 \"  class=\"interactive_bottom\"><div class='button_holder_left'><iframe allowtransparency=\"true\" frameborder=\"0\" scrolling=\"no\" src=\"http:\/\/platform.twitter.com\/widgets\/tweet_button.html?url=http%3A%2F%2Fst-defender.de%2F%3Fp%3D640&amp;text=Defender 7 &#8211; erste Leseprobe&amp;count=horizontal&amp;lang=de_DE  \" style=\"width:65px; height:21px;\"><\/iframe><\/div><div class='button_holder_left'><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=http%3A%2F%2Fst-defender.de%2F%3Fp%3D640&amp;layout=box_count&amp;show_faces=false&amp;width=65&amp;action=like&amp;font=arial&amp;colorscheme=light&amp;height=65\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:65px; height:65px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Prolog Der Krach, der ihn weckte, r\u00fchrte von den Schritten Dutzender schwerer Stiefel. Tel-Maro sprang aus dem Bett und packte die Strahlenkanone, die er w\u00e4hrend der Nacht stets umklammert hielt wie ein Kuscheltier. Als er die Waffe entsicherte und sich hinter der T\u00fcr versteckte, wagte er kaum zu atmen. 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