{"id":295,"date":"2008-10-04T17:04:50","date_gmt":"2008-10-04T16:04:50","guid":{"rendered":"http:\/\/st-defender.de\/blog\/defender\/?p=295"},"modified":"2008-10-04T17:04:50","modified_gmt":"2008-10-04T16:04:50","slug":"kurzgeschichte-eine-fur-alle","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/st-defender.de\/?p=295","title":{"rendered":"Kurzgeschichte: &#8222;Eine f\u00fcr alle&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><em>Die USS Defender steht kurz vor der Vernichtung. Ein grausames Schicksal droht Captain Lairis. Doch dann geschieht etwas v\u00f6llig Unerwartetes \u2026 <\/em><br \/>\n<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>(Diese Geschichte ist auch vertreten im SF3DFF-Sammelband &#8222;Freund und Feind: http:\/\/st-defender.de\/blog\/defender\/?p=255)<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Botschafterin Lwaxana Troi trommelte ungeduldig mit den Fingern gegen die Wand. \u201eEs ist schlimm genug, dass ich nach Betazed fliegen muss, um die Kapitulationsbedingungen f\u00fcr meine Welt auszuhandeln\u201c, protestierte sie entnervt. \u201eIst es da wirklich n\u00f6tig, dass Sie uns an allen Ecken und Enden Blut abzapfen?\u201c<br \/>\nLieutenant Commander Jeremy Prescott, Sicherheitschef der U.S.S. DEFENDER, tauschte ein am\u00fcsiertes L\u00e4cheln mit Lwaxanas Begleiterin. Die junge Frau hatte sich bisher nicht zu Wort gemeldet, doch Prescott sp\u00fcrte ihre Pr\u00e4senz selbst dann, wenn er sie nicht ansah. Und er vermied es m\u00f6glichst, sie anzusehen, denn sonst h\u00e4tte er sie pausenlos mit offenem Mund anstarren m\u00fcssen. Sie trug ein kn\u00f6chellanges, dunkelblaues Brokatkleid, in dem sie wahrhaft majest\u00e4tisch wirkte. Langes, rotes Haar fiel in \u00fcppigen Wellen \u00fcber ihre Schultern. Die leuchtend gr\u00fcnen Augen, die makellose helle Haut und die zarten Gesichtsz\u00fcge vollendeten ihre au\u00dfergew\u00f6hnliche Sch\u00f6nheit.<br \/>\n\u201eEs geht leider nicht anders, Ma\u2019am &#8230; die Vorschriften.\u201c<br \/>\nLwaxana verdrehte die Augen. \u201eJa, nat\u00fcrlich: Vorschriften, Regeln, Arbeit &#8230; ihr Sternenflottenoffiziere seid doch alle gleich. Dabei sehen Sie aus, als br\u00e4uchten Sie dringend Ferien, mein Junge!\u201c<br \/>\n\u201eFerien!\u201c rief Prescott verst\u00e4ndnislos. \u201eBei allem Respekt \u2013 es ist Krieg!\u201c<br \/>\n\u201eWie k\u00f6nnte ich das nur eine Minute vergessen!\u201c brauste die Betazoidin auf. \u201eMeine Heimat liegt in Tr\u00fcmmern, diese abscheulichen Vorta und Jem\u2019Hadar sind \u00fcberall auf dem Planeten und was sie meinen Leuten antun &#8230; ich mag gar nicht daran denken und ich werde zusehen, dass ich das Schlimmste verhindern kann!\u201c<br \/>\n\u201eEs tut mir Leid, Ma\u2019am\u201c, erwiderte Prescott ehrlich.<br \/>\nLwaxana winkte ab. \u201eSie k\u00f6nnen ja nichts daf\u00fcr, dass das ganze Universum paranoid und wahnsinnig geworden ist.\u201c<br \/>\n\u201eDie Bluttests sind leider n\u00f6tig, damit &#8230;\u201c<br \/>\n\u201eDamit sich keine Formwandler einschleichen \u2013 ich wei\u00df\u201c, unterbrach sie ihn ungn\u00e4dig. \u201eDieser Quatsch konnte auch nicht verhindern, dass Betazed erobert wurde!\u201c<br \/>\nPrescott wusste diesem Argument nichts entgegenzusetzen. Er zuckte traurig die Achseln, w\u00e4hrend er das R\u00f6hrchen mit der Blutprobe gegen das Licht hielt. \u201eCaptain Lairis w\u00fcrde &#8230;\u201c<br \/>\n\u201e&#8230; unseren hochgesch\u00e4tzten Gast ohne Bluttest nicht einmal auf die Toilette lassen\u201c, vollendete eine melodische weibliche Stimme den Satz. Eine gut aussehende schlanke Frau, die ihr langes dichtes Haar zu einem schlichten Zopf geflochten hatte, kam der Botschafterin entgegen. Sie war mit Sicherheit noch keine vierzig Jahre alt und ihre ebenm\u00e4\u00dfigen Gesichtsz\u00fcge h\u00e4tten so manchen betazoidischen Hofmaler inspiriert &#8230; doch Lwaxanas ge\u00fcbter Blick erkannte, dass das gl\u00e4nzende Kastanienbraun ihrer Haare nicht echt war.<br \/>\n\u201eCaptain Lairis Ilana, nehme ich an.\u201c<br \/>\n\u201eWillkommen an Bord, Botschafterin Troi\u201c, gab die Kommandantin der DEFENDER zur\u00fcck.<br \/>\n\u201eCaptain Lairis \u2013 das ist \u00fcbrigens meine Adjutantin Kara LeCroix\u201c, sagte Lwaxana.<br \/>\nPrescott erlaubte sich ein kesses Zwinkern. \u201eEine Franz\u00f6sin also &#8230;\u201c<br \/>\n\u201eJa, so kann man es nennen.\u201c Ihr L\u00e4cheln war schwer zu deuten.<br \/>\n\u201eWenn der kleine Blutegel sich endlich von Karas Dekollet\u00e9 losrei\u00dfen kann, w\u00fcrde ich gern mein Quartier sehen, Captain\u201c, dr\u00e4ngelte Lwaxana.<br \/>\n\u201eWir werden Sie im Bunker unterbringen\u201c, erwiderte Lairis k\u00fchl. Lwaxanas Standesd\u00fcnkel lie\u00df sie unbewusst zur Gegenwehr \u00fcbergehen.<br \/>\nDie Botschafterin verzog das Gesicht. \u201eBunker? Das klingt ja schrecklich!\u201c<br \/>\n\u201eSo nennen wir den Schutzraum f\u00fcr Zivilpersonen.\u201c<br \/>\n\u201eIst es dort auch wirklich sicher?\u201c<br \/>\n\u201eF\u00fcr gew\u00f6hnlich ja. Wenn allerdings der Warpkern explodiert, m\u00fcssen Sie in eine Rettungskapsel steigen. Das ist leider genauso unvermeidlich wie die Sicherheitskontrollen durch meine &#8230;&#8220; Ihre gr\u00fcnen Augen blitzten kampflustig auf. &#8222;Blutegel.\u201c<br \/>\n\u201eCaptain, Sie verstehen es wirklich, einer Tochter des F\u00fcnften Hauses Freude zu bereiten!\u201c<br \/>\n\u201eSie wollten mit der DEFENDER fliegen, weil es das beste und schnellste Kriegsschiff der Sternenflotte ist\u201c, entgegnete Lairis mit sanfter Ironie. \u201eKriegsschiffe haben nun mal die Angewohnheit, in K\u00e4mpfe verwickelt zu werden. Ich w\u00fcnsche Ihnen einen angenehmen Flug.\u201c<br \/>\n\u201eSie sind eine Pessimistin\u201c, seufzte Lwaxana.<br \/>\n\u201eIch bin Bajoranerin, das ist kulturell, historisch und sozio\u00f6konomisch bedingt.\u201c Der Captain l\u00e4chelte. \u201eAuch wenn Sie mit dem Zimmerservice auf meinem Schiff nicht zufrieden sind, f\u00fchle ich mich geehrt, Sie an Bord zu haben, Botschafterin.\u201c<br \/>\n\u201eObwohl Sie f\u00fcrchten, dass ich mit Ihrem Ersten Offizier anb\u00e4ndeln k\u00f6nnte\u201c, gab Lwaxana n\u00fcchtern zur\u00fcck. \u201eAber keine Sorge \u2013 er geh\u00f6rt Ihnen.\u201c<br \/>\nTelepathen! dachte Lairis genervt, bevor sie die Betazoidin zuckers\u00fc\u00df anl\u00e4chelte. \u201eSie werden gar keine Gelegenheit haben, mit meinem Ersten Offizier anzub\u00e4ndeln, weil Sie n\u00e4mlich brav in Ihrem Bunker bleiben werden!\u201c<br \/>\nPrescott musste grinsen, als er dem Gespr\u00e4ch der beiden Frauen zuh\u00f6rte. Er pr\u00fcfte Karas Blutprobe mit kritischen Augen, bevor er sie an einen Untergebenen weiter reichte. Der F\u00e4hnrich warf das R\u00f6hrchen in eine Abfallt\u00fcte, damit war der Fall f\u00fcr ihn erledigt.<br \/>\nLwaxana wirkte mit einem Mal bleich und ersch\u00f6pft. Sie massierte ihre Schl\u00e4fen und atmete schwer. \u201eAlles in Ordnung, Botschafterin?\u201c fragte Lairis besorgt.<br \/>\nLwaxanas Lider flatterten. Sie taumelte, und wenn Prescott sie nicht aufgefangen h\u00e4tte, w\u00e4re sie gest\u00fcrzt. \u201eMeine G\u00fcte!\u201c entfuhr es Lairis. \u201eKommen Sie, wir bringen Sie auf die Krankenstation.\u201c<br \/>\n\u201eNein, vielen Dank, das ist nicht n\u00f6tig!\u201c entgegnete die Betazoidin so energisch, dass selbst der Captain nachgab. \u201eIch bin nur m\u00fcde und \u00fcberreizt, das ist alles. Seit Betazed angegriffen wurde, hab ich keine Nacht richtig geschlafen.\u201c<br \/>\nLwaxana sp\u00fcrte das ehrliche Mitgef\u00fchl des Captains und l\u00e4chelte warm.<br \/>\n\u201ePrescott, Sie begleiten die beiden Damen in den Schutzraum\u201c, ordnete der Captain an.<br \/>\nDer Sicherheitschef kam dem Befehl mit gro\u00dfem Eifer nach.<br \/>\nAls Lairis auf die Br\u00fccke zur\u00fcckkehrte, verhie\u00df die d\u00fcstere Miene ihres Ersten Offiziers nichts Gutes. \u201eFeindkontakt?\u201c fragte sie scharf.<br \/>\n\u201eCardassianer in Sektor 233-C\u201c, antwortete Commander Jerad Kayn. \u201eZwei Galor-Class-Kreuzer und eine recht imposante Kampffliegerstaffel. Eben aus dem Subraum aufgetaucht.\u201c<br \/>\n\u201eKurs auf Betazed, Maximum Warp! Umfliegen Sie Sektor 233-C!\u201c<br \/>\n\u201eDie Cardies haben uns l\u00e4ngst geortet und fliegen in Angriffsformation auf uns zu.\u201c<br \/>\n\u201eRoter Alarm! Wir tarnen uns!\u201c<br \/>\n\u201eDie Tarnvorrichtung ist hin\u00fcber\u201c, erkl\u00e4rte der Chefingenieur, Lieutenant Marc van de Kamp.<br \/>\n\u201eLieutenant, Ich hatte Ihnen befohlen, sich darum zu k\u00fcmmern!\u201c<br \/>\n\u201eCaptain, das schaffen wir nicht alleine. Dazu m\u00fcssen wir auf eine Sternenbasis.\u201c<br \/>\nLairis schluckte mit gr\u00f6\u00dfter Willenskraft einen Schwall bajoranischer Fl\u00fcche herunter. Als ihr Blick auf die Sensorenanzeige fiel, wurde ihr ziemlich mulmig zumute. Wie ein Schwarm dunkler Raubv\u00f6gel n\u00e4herten sich die cardassianischen Schiffe der DEFENDER.<br \/>\n\u201eWie lange dauert es, bis sie in Waffenreichweite kommen?\u201c<br \/>\nVielsagende Blicke streiften Captain Lairis. In manchen Augen spiegelte sich Todesangst wieder. \u201eZehn Minuten &#8230; maximal\u201c, antwortete Commander Kayn d\u00fcster.<br \/>\n\u201eIch bin nicht \u00fcbergeschnappt und lasse mich auf ein Kr\u00e4ftemessen mit einer ganzen Cardie-Flotte ein! Schon gar nicht mit der Botschafterin an Bord!\u201c entschied der Captain. \u201eNichts wie weg hier, Maximum Warp!\u201c In Gedanken hinzu: Hoffentlich sind wir schnell genug!<\/p>\n<p>* * *<br \/>\nSie waren nicht schnell genug gewesen. Das Dominion hatte die Cardassianer mit modernsten Waffen, Schildverst\u00e4rkern und Warpkern-Overdrives ausger\u00fcstet, mit Kampffliegern, die in Puncto Feuerkraft beinahe der DEFIANT Konkurrenz machen konnten &#8230;<br \/>\n\u201eFunken Sie ein Notsignal auf allen F\u00f6derationsfrequenzen\u201c, ordnete Lairis an.<br \/>\n\u201eCaptain, das n\u00e4chste Schiff ist \u00fcber vierzig Lichtjahre entfernt &#8230;\u201c<br \/>\n\u201eIch wei\u00df.&#8220; Ein Schatten legte sich \u00fcber ihr Gesicht. &#8222;Tun Sie es trotzdem, Prescott!\u201c<br \/>\nDer Kampf dauerte noch nicht einmal eine Stunde, aber die Zeit dehnte sich endlos. Ein Energiesto\u00df aus der Schildphalanx hatte die Relais der Warpgondeln \u00fcberlastet, nun trieb die DEFENDER manovrierunf\u00e4hig im All.<br \/>\n\u201eQuantentorpedos, Kreuzfeuer!\u201c Scheinbar unger\u00fchrt beobachtete Lairis, wie drei cardassianische Jagdflieger in Flammen aufgingen. Blieben noch mindestens drei\u00dfig &#8230; Sie aktivierte den Com-Kanal zum Maschinenraum. \u201eLieutenant, was macht der Warpantrieb?\u201c<br \/>\nDer junge Ingenieur seufzte leise. \u201eWir m\u00fcssen mehrere hundert Relais auswechseln, Captain. Daf\u00fcr brauchen wir mindestens zwei Stunden, f\u00fcrchte ich.\u201c<br \/>\n\u201eMarc, Sie haben h\u00f6chstens noch eine Stunde Zeit bis zum gro\u00dfen Knall!&#8220; Ihre Stimme war eindringlich und lie\u00df keine Ausrede gelten. &#8222;Sie m\u00fcssen sich etwas einfallen lassen &#8211; und ich wei\u00df, Sie schaffen es! Lairis Ende.\u201c<br \/>\nDie Br\u00fccke glich einem Tr\u00fcmmerhaufen und ein bei\u00dfender Gestank lag in der Luft. Es roch penetrant nach Qualm, geschmolzenem Kunststoff, verbranntem Fleisch. Die Hauptenergie war ausgefallen, nur die fahle Notbeleuchtung spendete noch etwas Licht. Und die hei\u00dfe gr\u00fcnliche Flamme, die aus der geborstenen Steuerkonsole empor loderte &#8230;<br \/>\nLairis hatte schon viele Tote gesehen, doch der Anblick des Steuermannes bereitete ihr Magenschmerzen. Sein Gesicht war eine einzige Brandwunde, sein Mund zu einem stummen Schrei ge\u00f6ffnet &#8230; er starrte an die Decke, mit lidlosen Augen &#8230; F\u00fcr wenige Sekunden flackerte die Hauptbeleuchtung wieder auf. Im hellen Neonlicht erkannte Lairis, dass der Mann gar keine Augen mehr hatte &#8230; nur noch leere, verbrannte H\u00f6hlen.<br \/>\nDer Erste Offizier Jerad Kayn zog seine Uniformjacke aus und deckte sie \u00fcber das Gesicht des toten Crewman. \u201eDanke, Jerad\u201c, murmelte die Bajoranerin.<br \/>\nFunken stoben aus der Waffenphalanx, Lairis h\u00f6rte einen schrillen Schrei. Offenbar hatte sich die arme Commander Karthal beide H\u00e4nde verbrannt. \u201eIch bedauere, Ihnen mitteilen zu m\u00fcssen, dass wir soeben die Steuerbordphaser verloren haben\u201c, berichtete sie mit s\u00e4uerlicher Miene. \u201eAu\u00dferdem die Torpedo-Abschusskontrolle und die Langstreckensensoren.\u201c<br \/>\nPrescott eilte mit dem Med-Kit herbei und Karthal l\u00e4chelte ihn dankbar an.<br \/>\n\u201eWas bleibt uns dann \u00fcberhaupt noch?\u201c fragte Lairis &#8211; und ahnte, dass ihr die Antwort nicht gefallen w\u00fcrde.<br \/>\n\u201eDie Selbstzerst\u00f6rung.\u201c<br \/>\n\u201eIch bin begeistert!&#8220; konterte die Bajoranerin voller Sarkasmus.<br \/>\n&#8222;Super, Karthal! Cardassianischer Humor ist genau das, was uns jetzt aufbaut!\u201c st\u00f6hnte Presscott.<br \/>\n\u201eDas sollte kein Witz sein\u201c, entgegnete sie. \u201eIch kenne die Vorgehensweise des cardassianischen Milit\u00e4rs leider sehr genau. Sie schie\u00dfen so lange auf uns, bis wir uns ergeben oder unsere Schilde zusammenbrechen. Dann beamen sie die \u00dcberlebenden heraus, um sie zu foltern und nach einem Aufsehen erregenden Schauprozess \u00f6ffentlich hinzurichten. Nat\u00fcrlich w\u00e4ren sie auch nicht abgeneigt, das Schiff auseinander zu nehmen und seine neuartige Tarnvorrichtung in die Finger zu kriegen \u2013 selbst wenn sie zurzeit nicht funktioniert.\u201c<br \/>\nLairis nickte betr\u00fcbt. Karthal hatte bereits am eigenen Leib erlebt, wozu ihre Leute f\u00e4hig waren. Vor dem Krieg hatte sie als cardassianischer Austauschoffizier bei der Sternenflotte gedient, als Cardassia sich dem Dominion angeschlossen hatte, war sie \u00fcbergelaufen.<br \/>\nCaptain Lairis \u00fcberlegte angestrengt, was sie tun sollte. Die Cardassianer hatten ihr Schiff von allen Seiten eingekreist, Phaser und Torpedos lie\u00dfen den Boden unter ihren F\u00fc\u00dfen erbeben, es gab Energieausf\u00e4lle auf allen Decks, Br\u00e4nde, Explosionen &#8230; die Schilde waren auf zw\u00f6lf Prozent gefallen und es war nur eine Frage der Zeit, bis sie endg\u00fcltig versagen w\u00fcrden. Verst\u00e4rkung war nicht in Sicht. Die Idee, ihre Besatzung in Rettungskapseln zu evakuieren, um anschlie\u00dfend das cardassianische Flaggschiff zu rammen, verwarf Lairis ganz schnell wieder. F\u00fcr die cardassianischen Jagdflieger w\u00e4ren Rettungskapseln nichts weiter als willkommene Zielscheiben. Oder &#8211; und das war die weitaus schrecklichere Alternative &#8211; die Kreuzer-Kommandanten w\u00fcrden sie per Traktorstrahl an Bord holen und die Insassen zu ihren Gefangenen machen. Wahrscheinlich hatte Karthal Recht, und die Selbstzerst\u00f6rung war der einzige Weg, um ihr Leben in Freiheit und W\u00fcrde zu beenden.<br \/>\nLairis atmete flach. Alles in ihr str\u00e4ubte sich, einen solchen Befehl zu geben &#8230; ihre gesamte Crew zum Tode zu verurteilen &#8230; Dann wurde sie abgelenkt: Ein Teil der Wand senkte sich wie in Zeitlupe. \u201eJerad!\u201c br\u00fcllte sie. Als der Trill nicht rechtzeitig reagierte, packte sie seinen kr\u00e4ftigen K\u00f6rper und zerrte ihn beiseite. Zu sp\u00e4t. Eine Lawine aus Metall krachte auf den armen Mann nieder. Sein Schrei lie\u00df Lairis gequ\u00e4lt zusammenzucken, durchdrang jede Faser ihres K\u00f6rpers und ihrer Seele.<br \/>\n\u201eCommander Kayn!\u201c rief Prescott mit scharfer Stimme. \u201eCaptain, was ist passiert?\u201c<br \/>\nJerad lag mit schmerzverzerrtem Gesicht unter einem schweren Tr\u00fcmmerteil. \u201eMeine Beine &#8230;\u201c stie\u00df er hervor. \u201eIch glaube, sie sind gebrochen.\u201c<br \/>\nPrescott eilte bereits mit einem medizinischen Notfallkoffer herbei.<br \/>\n\u201eIrgendwas &#8230; ist in mir zerrissen\u201c, keuchte Jerad.<br \/>\n\u201eOh, Mist\u201c, rutschte es Lairis heraus. Die Sorge stand ihr deutlich ins Gesicht geschrieben.<br \/>\n\u201eSchon gut, Ilana &#8230;\u201c F\u00fcr einen Moment f\u00fcrchtete Lairis, er w\u00fcrde vor Schmerzen ohnm\u00e4chtig werden. Aber er versuchte, zu l\u00e4cheln, was in einer Grimasse endete. \u201eSieh es mal so: Es ist wahrscheinlich nur meine Leber, die jetzt Matsch ist, und nicht mein Symbiont.\u201c<br \/>\nMit einer Hand strich sie \u00fcber seine Wange und sp\u00fcrte, wie er die Z\u00e4hne zusammenbiss, mit der anderen Hand ber\u00fchrte sie ihren Kommunikator. \u201eLairis an Krankenstation &#8230;\u201c<br \/>\n\u201eTygins hier\u201c, ert\u00f6nte die dunkle Stimme des Arztes.<br \/>\n\u201eIch brauche ein Notfallteam auf der Br\u00fccke!\u201c<br \/>\nDr. Tygins seufzte h\u00f6rbar. \u201eCaptain, die Meldungen prasseln von allen Seiten auf mich ein \u2013 und die Turbolifte funktionieren immer noch nicht.\u201c<br \/>\n\u201eWas ist mit dem Transporter?\u201c wollte Prescott wissen.<br \/>\n\u201eDer funktioniert, aber das Ding verbraucht viel zu viel Energie\u201c, erkl\u00e4rte Lairis. \u201eEin Beamvorgang, und unsere Schilde krachen zusammen wie eine hohle Buttercremetorte.\u201c<br \/>\n\u201eWir sind am Ende, nicht wahr?\u201c Karthal schaute resigniert zu ihrem Captain her\u00fcber.<br \/>\n\u201eDas werden wir ja sehen\u201c, entgegnete Lairis zuversichtlicher, als ihr zumute war. \u201eIch gebe dieses Schiff und diese Crew nicht auf, solange es noch einen Schimmer von Hoffnung gibt! Und wenn wir bis zum letzten Atemzug k\u00e4mpfen m\u00fcssen, werden wir das tun! Aber das Leben der Botschafterin hat oberste Priorit\u00e4t &#8230; Ich w\u00e4re also dankbar f\u00fcr Vorschl\u00e4ge, wie wir sie heil aus diesem Schlamassel rauskriegen.\u201c<br \/>\n\u201eIch habe mit Lwaxana gesprochen: Sie w\u00e4re mit der Selbstzerst\u00f6rung einverstanden, wenn es nicht anders geht. Allerdings musste ich ihr hoch und heilig versprechen, Kara in Sicherheit zu bringen, obwohl ich keine Ahnung habe, wie ich das bewerkstelligen soll &#8230;\u201c Prescott atmete tief durch. \u201eCaptain, niemand von uns ist scharf darauf, ins Gras zu bei\u00dfen, aber ich f\u00fcrchte, Karthal hat recht: Es gibt keinen anderen Weg.\u201c<br \/>\nLairis sank schwer in ihren Sessel. Ihr trauriger Blick ruhte f\u00fcr eine Sekunde auf Prescott, dann auf jedem anderen Mitglied der Br\u00fcckencrew. Ihre Kampfgef\u00e4hrten, ihre Freunde &#8230; sie waren verloren.<br \/>\n\u201eComputer: Kurs auf das cardassianische Flaggschiff setzen. Geschwindigkeit \u2026\u201c<br \/>\n\u201eCaptain, die Cardassianer rufen uns\u201c, meldete der Kommunikationsoffizier.<br \/>\nLairis richtete sich kerzengerade auf. \u201eAuf den Schirm!\u201c<br \/>\nDas \u00fcberlebensgro\u00dfe Gesicht eines bulligen Cardassianers grinste ihnen siegesgewiss entgegen. \u201eAh, Captain Lairis! Sie sehen ziemlich mitgenommen aus, wie ich feststelle \u2013 und Ihr Schiff ist auch nicht gerade im besten Zustand &#8230; Ich wundere mich, dass Sie \u00fcberhaupt so lange durchgehalten haben \u2013 aber ich h\u00e4tte wissen sollen, dass ihr Bajoraner z\u00e4he kleine Qu\u00e4lgeister seid. Trotzdem ist Ihr Widerstand kein aussichtsreiches Unterfangen sondern eher ein Akt &#8230; verzweifelte Sturheit. Also seien Sie vern\u00fcnftig und kapitulieren Sie!\u201c<br \/>\n\u201eIch entscheide selbst, was vern\u00fcnftig ist&#8220;, gab Lairis zur\u00fcck. &#8222;Wie w\u00e4r\u00b4s, wenn Sie mir wnigstens Ihren Namen nennen, bevor Sie uns abschie\u00dfen? So verlangt es die H\u00f6flichkeit \u2013 selbst bei Cardassianern.\u201c<br \/>\n\u201eHat die Verr\u00e4terin Karthal das behauptet?\u201c Die Augen des Cardassianers verengten sich zu schmalen Schlitzen. \u201eIch hatte angenommen, Sie erinnern sich an mich \u2013 obwohl das Ged\u00e4chtnis der Bajoraner erwiesener Ma\u00dfen nicht allzu viel wert ist &#8230;\u201c<br \/>\nLairis betrachtete das kantige, verkniffene Gesicht mit den markanten Schuppenleisten und Sch\u00e4delnoppen. Ihr Verstand wehrte sich erfolglos gegen die Erinnerungen, die aus der Abfallgrube ihres Unterbewusstseins quollen: eine Explosion, die eine protzige cardassianische Villa auseinander riss &#8230; Tr\u00fcmmer flogen Lairis um die Ohren &#8230; und nicht nur Tr\u00fcmmer &#8230; da war auch ein kleiner K\u00f6rper &#8230; die Leiche eines cardassianischen Kindes, ein kleines M\u00e4dchen, dem die Explosion s\u00e4mtliche Gliedma\u00dfen abgerissen hatte &#8230;<br \/>\nDas Entsetzen von damals drohte Lairis zu \u00fcberw\u00e4ltigen, die Schuldgef\u00fchle, der Ekel vor sich selbst &#8230; \u201eGul Medak\u201c, stellte sie tonlos fest.<br \/>\nDie Br\u00fcckenoffiziere warfen ihr fragende Blicke zu.<br \/>\n\u201eAh, Sie wissen also noch, wer ich bin\u201c, erwiderte der Cardassianer kalt. \u201eIch f\u00fcr meinen Teil habe ganze drei Jahre gebraucht, um herauszufinden, wer Sie sind. Aber da hatten Sie Bajor leider schon verlassen, sehr bedauerlich \u2026 Nun, Sie verstehen sicher, dass ich mir diese Chance, mit Ihnen abzurechnen, um keinen Preis entgehen lassen werde.\u201c<br \/>\nKarthals Gesicht schien bei diesen Worten noch eine Nuance bleicher und grauer zu werden. Lairis starrte auf den Bildschirm, stumm und regungslos wie eine Wachspuppe. Auch Prescott, der gerade Jerad ein Schmerzmittel gespritzt hatte, verharrte mitten in der Bewegung. Lieutenant Vixpan, der Kommunikationsoffizier, knurrte w\u00fctend. Sein Fell war an mehreren Stellen angesengt und er hatte noch nie so wild und gef\u00e4hrlich ausgesehen. Er richtete seine elegant gebogenen H\u00f6rner auf Gul Medak, als wollte er ihn rammen und aufspie\u00dfen.<br \/>\n\u201eVergessen Sie es!\u201c stie\u00df Lairis hervor. \u201eEher w\u00fcrde ich mein Schiff zerst\u00f6ren!\u201c<br \/>\nDer Cardassianer l\u00e4chelte s\u00fcffisant. \u201eWarum gleich so destruktiv, meine Liebe? H\u00f6ren Sie sich doch erst mal meinen Vorschlag an.\u201c<br \/>\n\u201eSie k\u00f6nnen nichts vorschlagen, was mich auch nur ann\u00e4herungsweise interessiert!\u201c<br \/>\n\u201eIhre Crew ist mir egal\u201c, fuhr der Gul unger\u00fchrt fort. \u201eIch will weder den Trill noch den Ziegenbock oder sonst irgendjemanden &#8230; h\u00f6chstens das Schiff, wenn davon noch irgendwas Brauchbares \u00fcbrig ist. Ja, selbst auf die cardassianische Verr\u00e4terin k\u00f6nnte ich verzichten. Aber nicht auf Sie!\u201c<br \/>\n\u201eBieten Sie mir einen Handel an?\u201c fragte Lairis mit einem Anflug von Hoffnung in der Stimme.<br \/>\n\u201eCaptain!\u201c zischte Karthal. \u201eLassen Sie sich blo\u00df nicht darauf ein!\u201c<br \/>\nWelche Wahl habe ich? dachte Lairis betr\u00fcbt. Sie ahnte, was der Gul verlangen w\u00fcrde, und bei der Vorstellung legte sich die Angst wie ein feuchtkaltes Handtuch um ihr Inneres.<br \/>\n\u201eBeamen Sie auf meinen Kreuzer \u2013 allein und unbewaffnet, versteht sich. Seien Sie mein Gast und lassen Sie uns in angemessener Atmosph\u00e4re \u00fcber alte Zeiten diskutieren. Dann verzichten wir eventuell darauf, Ihre kostbare DEFENDER in St\u00fccke zu schie\u00dfen.\u201c<br \/>\n\u201eSie verfluchter Mistkerl!\u201c kr\u00e4chzte Jerad. Die anderen waren schlicht sprachlos.<br \/>\nDer Cardassianer lehnte sich entspannt zur\u00fcck, so als plauderte er bei einem Glas Rotblatttee mit guten Freunden. \u201eNun, was sagen Sie, Lairis?\u201c<br \/>\n\u201eIch denke dar\u00fcber nach.\u201c<br \/>\n\u201eCaptain!\u201c rief Karthal fassungslos, die ausdrucksvollen schwarzen Augen weit aufgerissen.<br \/>\n\u201eCommander Prescott, Sie haben die Br\u00fccke.\u201c<br \/>\nLairis wandte sie sich ungelenk zum Gehen. Als die T\u00fcr sich hinter ihr schloss, sp\u00fcrte sie immer noch die besorgten Blicke ihrer Crew im R\u00fccken.<\/p>\n<p>* * *<br \/>\nDer Eingang zum Bereitschaftsraum des Captains stand offen. Lairis w\u00fcnschte, sie k\u00f6nnte ihn verschlie\u00dfen, aber der Mechanismus war defekt. Als Bajoranerin war es ihr schon immer schwer gefallen, ihre Gef\u00fchle zu kontrollieren &#8211; nun zerbr\u00f6selte auch der letzte Rest ihrer sorgf\u00e4ltig polierten, tapferkeitsmedallien-geschm\u00fcckten Fassade.<br \/>\nIrgendwie schaffte sie es bis zu ihrem Schreibtisch, riss eine Schublade auf, durchw\u00fchlte sie, warf achtlos auf den Boden, was sie nicht brauchte. Dann fand sie endlich, was sie suchte: eine kleine flache Schachtel mit Beruhigungstabletten. Ich bin wirklich ein wackerer Captain! dachte sie voller Selbstironie, w\u00e4hrend sie das Doppelte der empfohlenen Dosis mit Wasser heruntersp\u00fclte.<br \/>\nVor zwei Jahren war sie von Verb\u00fcndeten des Dominion im Gamma-Quadranten gefangen genommen worden. Es hatte vier Tage gedauert, bis es ihrer Crew gelungen war, sie zu befreien &#8211; die schlimmsten, qualvollsten und l\u00e4ngsten vier Tage ihres Lebens, in der Gewalt eines Feindes, dem sie vollkommen wehrlos ausgeliefert war, der jeden Stolz, jede Willenskraft, jede Lebensfreude in ihr abt\u00f6ten wollte. Am Ende war sie kurz davor gewesen, ihren Peinigern s\u00e4mtliche Zugriffscodes f\u00fcr den Hauptcomputer der USS Defender zu verraten.<br \/>\nEin gn\u00e4diges Koma hatte sie davor bewahrt. Ihr K\u00f6rper war nackt und voller Brandmale gewesen, als das Au\u00dfenteam der DEFENDER sie fand.<br \/>\n&#8222;Meine Crew ist es mir wert!&#8220; spornte sie sich an.<br \/>\nWenigstens h\u00f6rten ihre H\u00e4nde allm\u00e4hlich auf, zu zittern, das Bild des toten cardassianischen M\u00e4dchens verblasste vor ihren Augen, genau wie die Erinnerungen an ihre Gefangenschaft. Ihre Beine f\u00fchlten sich nicht l\u00e4nger an, als best\u00fcnden sie aus Pudding.<br \/>\nDaf\u00fcr suchten berechtigte Zweifel sie heim. Welche Garantie gab es, dass Medak sein Wort halten und ihre Mannschaft verschonen w\u00fcrde? &#8222;Er hat ja noch nicht einmal sein Wort gegeben, der alte Schleimkriecher!&#8220; murmelte sie. Ihr war vollkommen klar, dass sie nach einem Strohhalm griff &#8211; aber wenn sie es nicht tat &#8230; sie w\u00fcrde sich \u00fcber den Tod hinaus Vorw\u00fcrfe machen.<br \/>\n\u201eCaptain, bitte &#8230; Sie sollten sich den Cardassianern nicht ausliefern. Das w\u00e4re ein schrecklicher Fehler\u201c, erkl\u00e4rte eine vertraute Stimme eindringlich, ja beinahe flehend.<br \/>\nLairis schreckte hoch und blickte direkt in zwei strahlend blaue Augen mit schmalen schlitzartigen Querpupillen. \u201eVixpan? Scheren Sie sich zur\u00fcck auf Ihren Posten, Lieutenant!\u201c Sie wollte distanziert und energisch klingen, aber es gelang ihr nicht sehr gut.<br \/>\nVixpan legte den Kopf leicht schr\u00e4g und fuhr sich mit der Zunge \u00fcber die Nasenspitze \u2013 ein Zeichen daf\u00fcr, dass er h\u00f6chst beunruhigt war. \u201eMeine Aufgabe ist die Kommunikation \u2013 und ich hielt es f\u00fcr wichtiger, mit Ihnen zu kommunizieren, als mit dem Feind. Bei allem Respekt &#8211; Sie scheinen in schlimmer seelischer Verfassung zu sein, Captain!\u201c<br \/>\n\u201eHat Jerad Sie geschickt? Prescott? Karthal?\u201c<br \/>\n\u201eDiese Crew ist meine Herde! Es war eine schweigende \u00dcbereinkunft.\u201c<br \/>\n\u201eManchmal muss ein Leben geopfert werden, um viele zu retten\u201c, erwiderte Lairis ruhig. \u201eCounselor T\u2019Liza w\u00fcrde mir zustimmen, dass meine Entscheidung vollkommen logisch ist.\u201c<br \/>\n\u201eDie Counselor mag auf Vulkan sein, aber ich bin sicher, dass sie dieses Opfer niemals zulassen w\u00fcrde\u201c, gab Vixpan zur\u00fcck. \u201eKeiner von uns l\u00e4sst es zu! Wir stehen hinter Ihnen &#8211; egal, was kommt!&#8220;<br \/>\n&#8222;Diese Crew ist auch meine Herde, F\u00e4hnrich&#8220;, erwiderte sie ernst und hielt nur mit M\u00fche die Tr\u00e4nen zur\u00fcck. &#8222;Ohne euch w\u00e4re ich nichts!&#8220;<br \/>\nVixpan betrachtete sie nachdenklich. &#8222;Darf ich offen sprechen?&#8220;<br \/>\n&#8222;Nat\u00fcrlich.&#8220;<br \/>\n\u201eDieser Medak &#8230; er will eine Rechnung aus der Besatzungszeit begleichen, nicht wahr? Wir alle vermuten das &#8230; Er ist nur hinter Ihnen her. Er verlangt nach Rache.\u201c<br \/>\nDie Miene des Captains versteinerte. \u201eIch habe seine Familie ermordet.\u201c<br \/>\n\u201eSie reden von Mord &#8230; das ist ungew\u00f6hnlich. Sie waren Widerstandsk\u00e4mpferin. Die Cardassianer hatten kein Recht, auf Ihrem Planeten zu sein.\u201c<br \/>\n\u201eNein, hatten sie nicht. Aber ich bin nicht zum Widerstand gegangen, um kleine Kinder umzubringen, verdammt noch mal!\u201c Sie schluckte, bevor sie fortfuhr. \u201eIch habe das nicht gewollt! Wirklich nicht \u2013 bei den Propheten! Ich &#8230; wir waren falsch informiert. Der Gul war \u00fcberhaupt nicht zu Hause, als wir seine Villa in die Luft sprengten &#8230; nur seine Familie &#8230; seine Frau und seine kleine Tochter.\u201c<br \/>\n\u201eIst das vielleicht der wahre Grund, weshalb Sie zu den Cardassianern r\u00fcber beamen wollen? Weil Sie sich schuldig f\u00fchlen?\u201c<br \/>\n\u201eUnsinn, Lieutenant! Gul Medak war verantwortlich f\u00fcr ein Dutzend Massaker in meiner Heimatprovinz! Ich mag nicht z\u00e4hlen, wie viele unschuldige Zivilisten und Kinder seinetwegen sterben mussten! Wie Sie schon sagten: Die Cardies waren selbst schuld, und zwar alle! Wozu mussten sie auch noch ihre Ehefrauen und ihre schuppigen Krabbelkinder angeschleppt bringen &#8230;\u201c Der spr\u00f6de Klang ihrer Stimme f\u00fchrte ihre harten Worte ad absurdum.<br \/>\nVixpan senkte den Kopf wie ein Stier im Angesicht eines Toreros, die H\u00f6rner angriffslustig vorgestreckt.<br \/>\nPl\u00f6tzlich wich jeder Zorn aus der Miene des Captains. \u201eAch Vixpan, machen Sie es f\u00fcr mich nicht schwerer, als es ohnehin schon ist!\u201c<br \/>\n\u201eMan nennt mich nicht umsonst einen sturen Bock, Captain.\u201c Vixpan scharrte demonstrativ mit den Hufen. \u201eIch werde keinen Millimeter vom Fleck weichen!\u201c<br \/>\n&#8222;Dann haben Sie Pech!&#8220; Blitzschnell zog Lairis ihre Waffe, ein Energiestrahl glei\u00dfte, Vixpans K\u00f6rper schlug auf dem Boden auf. Mit einem Ausdruck des Bedauerns beugte sie sich \u00fcber ihren bewusstlosen Kommunikationsoffizier, umfasste mit beiden H\u00e4nden seine H\u00f6rnchen. Es war die Abschiedsgeste seines Volkes. &#8222;Machs gut und meinetwegen iss mein Zyperngras, wenn wir das hier \u00fcberleben.&#8220;<br \/>\nLairis erhob sich mit steifen Gliedern, pl\u00f6tzlich dachte und f\u00fchlte sie gar nichts mehr. Es kam ihr vor, als w\u00e4re sie selbst und nicht Vixpan bet\u00e4ubt worden.<br \/>\n&#8222;Sie haben doch nicht etwa erwartet, dass wir sie einfach gehen lassen, Captain!&#8220; Die Stimme einer Frau, klar und hart wie Bleikristall, brachte sie dazu, in der Bewegung innezuhalten. Belora Karthal stand vor der T\u00fcr, Streifen von Blut und Dreck zogen sich \u00fcber ihr sch\u00f6nes Gesicht, doch ihre Gestalt wirkte imposanter denn je. &#8222;Wie ich sehe, haben Sie den armen Vixpan ganz erfolgreich au\u00dfer Gefecht gesetzt &#8230; aber das wird Ihnen mit mir nicht so ohne weiteres gelingen und au\u00dferdem &#8230;&#8220; Sie hob die Hand und ein Kraftfeld blitzte auf. &#8222;Kommen Sie hier nicht raus.&#8220;<br \/>\n\u201eEs gibt Stromausf\u00e4lle auf dem ganzen Deck \u2013 und Sie verschleudern ein paar tausend Gigawatt, um Ihren Captain einzusperren?&#8220; schimpfte Lairis mit einem finsteren Blick. &#8222;Sind Sie eigentlich von allen guten Geistern verlassen, Karthal? Oder stammt diese Schnapsidee von Prescott?\u201c<br \/>\n&#8222;Ich handle im Auftrag von Commander Prescott, aber das mit dem Kraftfeld war meine Idee. Und ich finde sie brillant!&#8220; Ein kleines L\u00e4cheln umspielte Karthals volle, mahaghonibraun beschminkte Lippen. &#8222;Wom\u00f6glich bleibt das Feld nicht lange stabil, f\u00fcr diesen Fall stehen alle Crewmitglieder, die sich nicht um das Schiff und die Verwundeten k\u00fcmmern m\u00fcssen, bei Fu\u00df, um Sie vor Ihrem eigenen irregeleiteten Heldenmut zu retten.&#8220;<br \/>\n\u201eIch bin nun mal der Captain. In Zeiten wie diesen ein sch\u00f6nes, griffiges Wort f\u00fcr Vier-Sterne-Kanonenfutter.\u201c<br \/>\n&#8222;Tief im Inneren ahnen Sie doch, was Gul Medak Ihnen antun wird&#8220;, fuhr die Cardassianerin fort. &#8222;Bevor er Sie in seine kleine private Folterkammer verschleppt, wird er die DEFENDER zerst\u00f6ren, Sie zum Hauptbildschirm zerren, und Sie zwingen, dabei zuzusehen.&#8220;<br \/>\n&#8222;Diese M\u00f6glichkeit habe ich auch schon in Betracht gezogen&#8220;, erwiderte Lairis mit angespannter Miene. Das Grauen war ihr deutlich anzusehen.<br \/>\n&#8222;Dann bleiben Sie bei uns!&#8220; Karthal holte tief Luft. &#8222;Am Anfang habe ich nur mit zusammengebissenen Z\u00e4hnen unter Ihnen gedient, glauben Sie mir. Aber ich hatte genauso wenig eine Wahl wie Sie. Die Admirals haben entschieden,niemand wollte eine cardassianische \u00dcberl\u00e4uferin, niemand wusste, ob er mir trauen konnte &#8230;&#8220;<br \/>\n&#8222;Das wusste ich allerdings auch nicht.&#8220;<br \/>\n&#8222;Die Versuchung, eine Vertreterin Ihrer einstigen Besatzungsmacht nach Strich und Faden herumzukommandieren, muss ja enorm gewesen sein!&#8220;<br \/>\n&#8222;Ich habe meine Einstellung zu Ihnen ge\u00e4ndert, das wissen Sie!&#8220;<br \/>\n&#8222;Und ich bin sogar bereit, f\u00fcr Sie zu sterben, zum Henker! Also werfen Sie sich diesem Medak nicht zum Fra\u00df vor!&#8220;<br \/>\n&#8222;Das verstehen Sie erst, wenn Sie das Kommando \u00fcber ein eigenes Raumschiff haben, Karthal&#8220;, wandte Lairis ein. &#8222;Die Chance, meine Crew zu retten, ist nicht sehr gro\u00df, aber sie ist vorhanden. Und das macht mir die Entscheidung leicht. So sieht meine Pflicht aus.&#8220;<br \/>\nKarthal atmete zischend aus. &#8222;Und was ist mit uns? Ihre Pflicht ist es, f\u00fcr das Wohl Ihrer Crew zu sorgen &#8211; aber was denken Sie, wie wohl wir uns f\u00fchlen, wenn wir weiterleben d\u00fcrfen &#8230;&#8220; Sie stockte f\u00fcr einen Moment. &#8222;Um diesen Preis!&#8220;<br \/>\n&#8222;Es ist nicht jeder an Bord so lebensm\u00fcde wie Sie, Belora&#8220;, versuchte Lairis zu scherzen.<br \/>\nDoch die Argumente der Cardassianerin waren wie ein Messer, das jemand langsam in ihren Eingeweiden hin und her drehte. Karthal hatte Recht, verflucht, sie hatte Recht &#8230; Aber Lairis f\u00fchlte sich ebenso im Recht.<br \/>\nDann fiel ihr etwas seltsames auf: Die Alarmsirene heulte nicht l\u00e4nger und das Schiff hatte aufgeh\u00f6rt, zu beben. &#8222;Wir werden nicht mehr angegriffen&#8220;, stellte auch Karthal fest.<br \/>\n&#8222;Gul Medak ruft uns!&#8220; drang Prescotts Stimme aus dem Kommunikator.<br \/>\n&#8222;Ich komme auf die Br\u00fccke&#8220;, verk\u00fcndete die Cardassianerin.<br \/>\n&#8222;Ach, Karthal &#8230;&#8220;<br \/>\nSie wandte sich um. &#8222;Noch irgendwelche Befehle?&#8220;<br \/>\n&#8222;Nur einen: Sagen Sie Medak, er wird nicht viel Freude mit mir haben.&#8220;<br \/>\nAls Gul Medak auf dem Bildschirm erschien, l\u00e4chelte er blasiert. &#8222;Ich freue mich, dass Sie sich endlich dazu durch gerungen haben, Ihren werten Captain meiner gewissenhaften Obhut zu \u00fcberlassen.&#8220;<br \/>\nEin verbl\u00fcfftes Raunen ging durch die Br\u00fcckencrew.<br \/>\n&#8222;Wie bitte?&#8220; h\u00e4tte Karthal beinahe gefragt. Doch ein untr\u00fcgerischer Instinkt riet ihr, das makabere Spiel mitzuspielen.<br \/>\n&#8222;Jawohl, Captain Lairis ist soeben wohlbehalten auf meinem Schiff angekommen.&#8220;<br \/>\n&#8222;Wie Sie h\u00f6ren, sind ihre Untergebenen dar\u00fcber nicht sehr gl\u00fccklich, Medak.&#8220;<br \/>\n\u201eUnd Sie?&#8220;<br \/>\nKarthal antwortete mit einem s\u00fcffisanten L\u00e4cheln: &#8222;Ich bin eine Verr\u00e4terin. Auf Leute wie mich ist eben kein Verlass.&#8220;<\/p>\n<p>* * *<br \/>\n&#8222;Das kann nicht sein!&#8220; rief Lairis nun schon zum dritten Mal. &#8222;Das ist nicht m\u00f6glich!&#8220;<br \/>\nAber die Logbuchaufzeichnung best\u00e4tigte es schwarz auf wei\u00df: Eine Person mit Captain Lairis Ilanas DNS war genau um 14.35 Bordzeit auf Gul Medaks Schiff gebeamt worden.<br \/>\n&#8222;Ich muss den Transporter \u00fcberpr\u00fcfen, Also lassen Sie mich endlich raus!\u201c<br \/>\n&#8222;Bei allem Respekt, Captain, es sieht ganz so aus, als h\u00e4tten wir trotz Bluttests und h\u00f6chster Sicherheitsvorkehrungen einen Eindringling an Bord. Bevor ich Sie also rauslassen kann, m\u00fcssen Sie erst beweisen, dass Sie nicht dieser Eindringling sind.&#8220;<br \/>\nDie Bajoranerin atmete tief durch. \u201eErinnern Sie sich noch, wie wir uns das erste Mal begegnet sind? Es war vor zwei Jahren in der Blue Planet Taverne. Ich sa\u00df am Tresen, Sie setzten sich zu mir und meinten, dass ich sch\u00f6ne Augen h\u00e4tte &#8230;&#8220;<br \/>\nPrescott grinste verlegen. \u201e\u00dcberzeugt. Sie sind es wirklich.\u201c<br \/>\n\u201eNur wen oder was hat der Chief dann zu den Cardies gebeamt?\u201c<br \/>\n\u201eWer immer es war, hat Medak dazu gebracht, das Feuer einzustellen.\u201c<br \/>\nPrescotts Kommunikator piepte und Prescott meldete sich.<br \/>\n\u201eCommander, wir haben ein menschliches Lebenszeichen entdeckt \u2013 in Sektion 14D!\u201c antwortete die aufgeregte Stimme von Belora Karthal.<br \/>\n\u201eWas?\u201c rief der Sicherheitschef verbl\u00fcfft. \u201eWie ist das m\u00f6glich?\u201c<br \/>\n\u201eIch habe Sektion 14D abgeriegelt\u201c, erg\u00e4nzte Lairis \u00fcberfl\u00fcssiger Weise. Wie konnte ein Mensch in Sektion 14D \u00fcberleben, obwohl dort s\u00e4mtlicher Sauerstoff durch ein Leck in der Au\u00dfenh\u00fclle entwichen war?<br \/>\n\u201eIch schlage vor, wir benutzen ausnahmsweise den Transporter.\u201c<br \/>\nLairis nickte. \u201eEinverstanden.\u201c<br \/>\nAls die beiden Offiziere auf Deck 14 materialisierten, blieb ihnen vor \u00dcberraschung die Luft weg. Dabei hatten sie eigentlich gen\u00fcgend Luft \u2013 im Gegensatz zu der Person auf der falschen Seite des Notkraftfelds.<br \/>\nKara LeCroix stand wie eine klassische Statue inmitten von Metalltr\u00fcmmern. Hinter ihr klaffte ein gro\u00dfes Loch in der Wand. Ihr Kleid war nun schwarz und hauteng und verschmolz nahtlos mit dem Hintergrund. Es sah aus, als w\u00fcrde ihr Gesicht mit dem langen roten Haar k\u00f6rperlos im All schweben &#8230; Prescott schauderte. \u201eMein Gott, Kara, was machen Sie hier? Los, bringen Sie sich in Sicherheit, bevor Sie ersticken!\u201c<br \/>\nDoch er begriff die schockierende Wahrheit im selben Augenblick, als Karas Stimme aus dem Com-System drang: \u201eMeine Art braucht keinen Sauerstoff, Commander Prescott.\u201c<br \/>\n\u201eZum Teufel, wer sind Sie? Was sind Sie? Was haben Sie vor?\u201c Die Fragen sprudelten nur so aus Prescott heraus.<br \/>\n\u201eIch habe gar nichts vor\u201c, antwortete sie ruhig. Der Unterdruck und die Weltraumk\u00e4lte schienen ihr nicht das Geringste anzuhaben.<br \/>\n\u201eWas sind Sie?\u201c wiederholte er beharrlich.<br \/>\n\u201eEin Metamorph, eine Formwandlerin. Ein Wechselbalg. Wie immer Sie es nennen wollen.\u201c<br \/>\n\u201eSie haben sich in mich verwandelt\u201c, begriff Lairis. Die widerspr\u00fcchlichsten Emotionen spiegelten sich auf ihrem Gesicht wieder. \u201eSie haben mir das Leben gerettet &#8230; uns allen!\u201c<br \/>\nPrescott setzte zu einer Erwiderung an, aber sein Kommunikator meldete sich erneut.<br \/>\n\u201eGul Medaks Schiff ist soeben explodiert\u201c, berichtete Karthal. \u201eEs gibt keine \u00dcberlebenden.\u201c<br \/>\n\u201eExplodiert? Einfach so?\u201c hakte Lairis nach. Sie wirkte zugleich verst\u00f6rt und erleichtert.<br \/>\n\u201eEine \u00dcberlastung des Reaktorkerns, wie es aussieht. Die Explosion hat auch den anderen Kreuzer schwer in Mitleidenschaft gezogen. Die Kampfflieger ziehen sich zur\u00fcck.\u201c<br \/>\n\u201eWir haben gewonnen!\u201c jubelte Prescott. \u201eCaptain, wir sind gerettet! Vorerst jedenfalls &#8230;\u201c<br \/>\n\u201eSie waren das!\u201c Lairis wandte sich an Kara. \u201eSie sind Ihren Bewachern irgendwie entkommen, mit irgendeinem Formwandlertrick, und haben den Reaktor sabotiert &#8230;\u201c<br \/>\n\u201eJa\u201c, best\u00e4tigte Kara. \u201eUnd ich habe es nicht gern getan, das k\u00f6nnen Sie glauben! Ich bin Diplomatin, keine M\u00f6rderin.\u201c<br \/>\n&#8222;Aber wie, zum Geier &#8230;&#8220;<br \/>\n&#8222;Ich habe nicht brav im Bunker gewartet. Ich war die Deckenverkleidung auf Ihrer Br\u00fccke.&#8220;<br \/>\n\u201eIch wei\u00df nicht, wie ich Ihnen danken soll &#8230;\u201c<br \/>\n\u201eSicher nicht, indem Sie das arme Ding noch l\u00e4nger im Vakuum schmoren lassen!\u201c warf eine vorwurfsvolle Stimme aus dem Hintergrund ein. Lwaxana Troi schritt w\u00fcrdevoll auf den Captain zu, obwohl ihr teures Gewand v\u00f6llig zerknautscht war und ihre nagelneue blonde Per\u00fccke schief sa\u00df. \u201eBei den heiligen Ringen von Betazed \u2013 ich werde nie wieder auf allen Vieren durch einen Schacht kriechen!\u201c verk\u00fcndete sie mit theatralischer Geste. \u201eDa drin kriegt man ja Platzangst und dieser Dreck &#8230; Sehen Sie nur, was aus meinem sch\u00f6nen Kleid geworden ist \u2013 ein Jammer!\u201c<br \/>\n\u201eSie haben vielleicht Nerven!\u201c entfuhr es dem Sicherheitschef. \u201eIhre entz\u00fcckende Assistentin hat soeben gestanden, dass sie ein Wechselbalg ist!\u201c<br \/>\n\u201eDas wei\u00df ich\u201c, entgegnete Lwaxana unbeeindruckt. \u201eIch wei\u00df es schon lange.\u201c<\/p>\n<p>* * *<br \/>\n\u201eKara, was Sie f\u00fcr mich getan haben, ist wahrscheinlich mehr, als ich verdient habe\u201c, redete Lairis auf den Wechselbalg ein. \u201eSie brauchen mein B\u00fcro nicht aufzur\u00e4umen \u2013 wirklich nicht!\u201c<br \/>\nKara legte das St\u00fcck Deckenverkleidung, dass sie in der Hand hielt, fallen und zog die Nase kraus. \u201eEntschuldigung, Captain \u2013 aber ich kann dieses Chaos einfach nicht ansehen.\u201c<br \/>\n\u201eFormwandler haben ein angeborenes Bed\u00fcrfnis nach Ordnung\u201c, erkl\u00e4rte Lwaxana nachsichtig und zwinkerte. \u201eSt\u00e4ndig putzt und r\u00e4umt sie hinter mir her und immer ist irgendwas weg, wenn Sie in meinem B\u00fcro war! Wegen ihr hab ich einen besonders wichtigen Empfang des Staatsoberhauptes von Aramon vers\u00e4umt, deshalb musste ich bei so einem albernen Ritual der Entschuldigung eine ganze Raktan-Pflanze verspeisen &#8211; und zwar roh. So ein Raktan-Stengel wird \u00fcber zwei Meter hoch und schmeckt wie alte Socken in Senfso\u00dfe! Das war mit Abstand das Scheu\u00dflichste, was ich je &#8230;&#8220;<br \/>\nKara warf ihrer Vorgesetzten einen schuldbewussten Blick zu. &#8222;Es tut mir Leid, Botschafterin Troi. Ich werde nie wieder etwas sortieren &#8211; nur noch auf Empf\u00e4ngen erscheinen und l\u00e4cheln!&#8220;<br \/>\nLwaxana st\u00f6hnte. &#8222;Du bist unm\u00f6glich, wei\u00dft du das?&#8220;<br \/>\nNun lachten sie alle drei. \u201eIch sch\u00e4tze, Wechselb\u00e4lger m\u00fcssen so ordentlich sein, um in der Gro\u00dfen Verbindung ihre Molek\u00fcle wiederzufinden\u201c, spekulierte Lairis.<br \/>\n\u201eIch will mit der Gro\u00dfen Verbindung nichts zu tun haben!\u201c rief Kara leidenschaftlich.<br \/>\nLairis warf einen schr\u00e4gen Blick auf Lwaxana. \u201eWie haben Sie entdeckt, dass Kara &#8230;\u201c<br \/>\n\u201eIch konnte ihre Gedanken nicht lesen und da ahnte ich, dass sie &#8230; anders war. Wissen Sie, ich kannte Odo, bevor ich Kara traf. Er war der erste Formwandler, der mir begegnet ist, und einer der netteste, anst\u00e4ndigsten M\u00e4nner, die ich kenne.\u201c<br \/>\n\u201eWie haben Sie das mit dem Bluttest angestellt?\u201c fragte Lairis.<br \/>\n\u201eEine telepathische Illusion\u201c, erkl\u00e4rte Lwaxana. \u201eSie haben das gesehen, was Sie sehen sollten. So viele Leute gleichzeitig zu manipulieren, ist \u00fcbrigens ganz sch\u00f6n anstrengend!\u201c<br \/>\n\u201eAch, deshalb hatten Sie diesen Schw\u00e4cheanfall\u201c, begriff Lairis und f\u00fcgte leicht vorwurfsvoll hinzu: \u201eSie h\u00e4tten mir die Wahrheit sagen sollen!\u201c<br \/>\n\u201eH\u00e4tten Sie Kara an Bord gelassen, wenn Sie gewusst h\u00e4tten, was Sie wirklich ist?\u201c<br \/>\n\u201eNein, h\u00f6chstwahrscheinlich nicht.\u201c<br \/>\nKara musterte die Bajoranerin ernst. \u201eBevor Lwaxana kam, hatte ich nie den Mut, mein wahres Ich zu zeigen, wissen Sie &#8230; Auf der Erde glaubte jeder, ich w\u00e4re ein Mensch \u2013 sogar meine Adoptiveltern hatten keine Ahnung &#8230; Ich war immer beliebt, denn ich konnte mich ja perfekt anpassen, perfekt verwandeln \u2013 aber das war nicht ich! Fr\u00fcher nahm ich an, ich w\u00e4re die einzige meiner Art, deshalb war ich ein Leben lang bem\u00fcht, nicht aufzufallen. Ich hatte Angst, wenn meine Freunde, meine Eltern oder meine Lehrer herausfinden, dass ich in Wirklichkeit ein Haufen Glibber bin, der jede beliebige Gestalt annehmen kann, w\u00fcrden sie mich nicht mehr m\u00f6gen, mir nicht mehr trauen &#8230; Nach dem Studium bewarb ich mich beim diplomatischen Dienst, denn ich dachte, ich h\u00e4tte vielleicht ein gutes H\u00e4ndchen f\u00fcr fremdartige Lebensformen \u2013 schlie\u00dflich bin ich selbst eine \u2026\u201c<br \/>\n\u201eUnd so sind Sie an Botschafterin Troi geraten &#8230;\u201c<br \/>\n\u201eJa. Aber dann ist die Sternenflotte im Gamma-Quadranten mit dem Dominion zusammen gerasselt, es kam zum Krieg &#8230; Seit dem hasst man Formwandler, und ich bin noch vorsichtiger geworden, als ich es fr\u00fcher war.\u201c Kara l\u00e4chelte freudlos. \u201eDas ist wohl auch so eine angeborene Eigenschaft von Wechselb\u00e4lgern: Paranoia.\u201c<br \/>\n\u201eNicht nur von Wechselb\u00e4lgern\u201c, entgegnete Lairis. \u201eW\u00e4hrend der Besatzungszeit hie\u00df es, nur ein toter Cardassianer sei ein guter Cardassianer &#8230;\u201c<br \/>\n\u201eAber zu guter Letzt lernten Sie Belora Karthal kennen, die ein wirklich liebenswertes Exemplar ihrer Spezies ist \u2013 und Sie haben es geschafft, den Hass zu \u00fcberwinden\u201c, gab Lwaxana zu bedenken. \u201eVielleicht gelingt Ihnen das ein zweites Mal.\u201c<\/p>\n<p>&#8211; ENDE &#8211;<\/p>\n<div style=\"padding: 10px 0 \"  class=\"interactive_bottom\"><div class='button_holder_left'><iframe allowtransparency=\"true\" frameborder=\"0\" scrolling=\"no\" src=\"http:\/\/platform.twitter.com\/widgets\/tweet_button.html?url=http%3A%2F%2Fst-defender.de%2F%3Fp%3D295&amp;text=Kurzgeschichte: &#8222;Eine f\u00fcr alle&#8220;&amp;count=horizontal&amp;lang=de_DE  \" style=\"width:65px; height:21px;\"><\/iframe><\/div><div class='button_holder_left'><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=http%3A%2F%2Fst-defender.de%2F%3Fp%3D295&amp;layout=box_count&amp;show_faces=false&amp;width=65&amp;action=like&amp;font=arial&amp;colorscheme=light&amp;height=65\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:65px; height:65px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die USS Defender steht kurz vor der Vernichtung. 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